Es herrscht Aufruhr im sonst so friedlichen Peck-Land: ein Nelwyn-Baby wurde an das Flußufer gespült. Laut dem Dorfzauberer wird es Tod und Verdammnis über die Gemeinschaft der Zwerge bringen. Also muss es entsorgt werden. Natürlich haben auch Zwerge ein Herz und so wird ein Trupp zusammengetrommelt, der das Menschen-Baby, Elora getauft, an die Grenze des Zwergenreiches bringen und dort einem verantwortungsvollem Hüter übergeben werden soll. So der Plan. Doch dieser wird schnell zunichte gemacht, als Willow, temporärer Baby-Hüter und Nachwuchszauberer, hinter der wahren Bedeutung des Findelkindes kommt…
Der fiesen Herrscherin Bavmorda wurde prophezeit, dass einst ein Mädchen geboren wird, die ihre Schreckensherrschaft beenden und sie vom Thron stoßen würde. Also setzt sie alles daran das Baby zu finden und es zu töten. Doch eine alte Hebamme erbarmte sich Elora und floh mit ihr aus Bavmordas Schloß. Verfolgt von den blutrünstigen Dämonenhunden, entschied sie sich, das Baby in einer Krippe den Fluß abwärts zu schicken, während sie – mit ihrem Leben – die Hunde Bavmordas aufhielt. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf bis Willow eben am Flußufer das Menschenbaby fand…
Jetzt obliegt es Willow Elora sicher nach Tir Asleen zu bringen – der einzige Ort der noch nicht von Bavmorda beherrscht wird. Glücklicherweise trifft er auf Madmartigan, einen verwegenen Krieger, schnell mit dem Schwert und der Zunge.
Zusammen versuchen sie durch das kriegserschütterte Land die kleine Elora in Sicherheit zu bringen. Doch Bavmordas Truppen jagen sie erbarmungslos…
Als sie in Tir Asleen angekommen sind, müssen sie feststellen, dass das einst so mächtige Reich schon lange untergegangen zu sein scheint. Trolle haben die Menschen vertrieben und nun ihre Augen auf den Heldentrupp um Willow gerichtet. Von innen müsen sie nun mit Monstren kämpfen – während Bavmordas Truppen die Feste bereits belagern…
Bavmordas Mächte sind stärker. Sie schaffen es ihnen das Baby zu entreißen und auf ihre Burg zu bringen. Dort soll es geopfert werden, um die Prophezeihung nicht wahr werden zu lassen. Verzweifelt stellt sich Madmartigan mit Willow und Bavmordas abtrünniger Tochter Sorsha ihr entgegen. Doch gegen die mächtigen Mauern und Bavmordas Zauber scheinen sie keine Chance zu haben…
Kurz und bündig: „Willow“ ist eine absolute Fantasy-Bombe, die alles zerstört, was sich ihr in den Weg stellt. Der Streifen, von George Lucas produziert, ist dermaßen vollgestopft, dass der Film selber es locker zu einem mehrteiligen Epos geschafft hätte. Insgesamt haben wir Minimum sieben Handlungsorte, die die Story immer wieder in eine neue Richtung treiben. Anfangs sehen wir, wie eine alte Hebamme aus den Kerkern Bavormadas entflieht um Elora in Sicherheit zu bringen. Dies wird bereits im Vorspann abgehandelt. Dann greift der titelgebene Willow in die Geschichte ein, der zusammen mit einem Trupp Zwerge seine Heimat verlässt, um Elora einem menschlichen Hüter zu übergeben. Nun ist Zeit für Madmartigan mit dem Willow zuerst in eine Spelunke und dann nach einer Flucht eine alte Zauberin auf einer verlassenen Insel besucht. Wenn dieser Teil abgehandelt ist, geht es wieder munter weiter. Die Heldentruppe wird gefangen genommen, muss entfliehen, kehrt in die mittlerweile zerstörte Festung Tir Asleen ein, kämpft gegen Trolle und muss dann eine Kehrtwendung zu Bavmordas Burg nehmen, um sich dort bis zum Zauberturm emporzukämpfen und Elora zu retten. Puh. Und dies war wirklich nur ein sehr grober Umriss. Nicht erwähnt alle die kleinen Hanldungsstränge und Charaktere, die den Film bereichern. Seien es die ewig streitenden Winzlinge Rool und Burglekut, die das Baby zeitweise selber entführen und Willow gefangen nehmen (sich ansonsten der heldenhafte Truppe in ihren Abenteuern anschließen) oder Sorsha, abtrünnige Tochter Bavmordas, die sich in Madmartigan verliebt (Liebesgeschichte +10). Nicht zu vergessen Airk Thaughbaer, Madmartigans alter Kriegsherr, der ebenfalls noch in das Geschehen eingreifen will…und natürlich Fin Raziel, die gute Zauberin, von Bavmorda in eine Tiergestalt verhext und auf eine einsame Insel verbannt (muss abgeholt werden). Jeder dieser Charaktere bringt einen weiteren Handlungsstrang mit sich.
Diese ganzen Handlungsstränge und Charaktere zusammengefasst auf zwei Stunden nehmen den kompletten Raum für jegliche Atempausen und Charakterentwicklungen. „Willow“ rast rasant davon und es fällt einem teilweise recht schwer sich auf ein Setting einzulassen. Und das obwohl die Grundstory recht simpel gehalten ist und der klassischen Hero’s Journey folgt. Als schönes Beispiel kann hier der Kampf in Tir Asleen genomen werden. Nicht nur das unsere Heldentruppe sich gegen Bavmordas Schergen durchsetzen muss – die natürlich das ultimative Böse darstellen, versüßt wird die Fantasy-Suppe noch mit einem absolut epischen Setting einer untergegangenen Zivilisation und wirklich ekelerregenden Monstern. Doch anstatt dies als Höhepunkt des Films zu nehmen (schließlich handelt 90% des Films davon, ins vermeintlich sichere Tir Asleen zu gelangen), macht der Streifen eine 180-Grad-Wendung und lässt unsere Helden zu Bavmordas Festung zurückkehren um dort erneut gegen ihren Zauber und ihre Truppen antreten zu lassen.
Ich möchte nicht sagen, dass dieser Story-Bombast den Film killt, es ist aber teilweise zuviel des Guten. Des SEHR Guten in diesem Fall. Wieviel man mit weniger erreicht hätte, zeigt der Film paradoxerweise bei der Einführung des Charakters Madmartigan. Während er in seinem Käfig hockt zieht eine hochgerüstete Kriegerarmee an ihm und Willow vorbei. Auf die Frage was sie vorhaben, gibt der Anführer nur sehr vage Umschreibungen. Man weiß, dass ein großer Kampf bevorsteht. Man sieht anhand ihrer zerschundenen Rüstungen, ihres Gesichtsausdrucks, der kahlen, toten Umgebung aus der sie im Hintergrund anmaschiert kommen, dass diese riesige Schlacht eine Schicksalsschlacht und ihre Niederlage eine Niederlage des Guten sein wird. Wie ein böser Schatten hängt das Böse über sie. Man muss den Kampf nicht zeigen, man muss das Schlachtfeld nicht besuchen – es bleibt der Vorstellung des Zuschauers überlassen und wird dadurch noch verstärkt. Anstatt dies allerdings weiter auszubauen und so eine wirklich mystische Welt zu erschaffen, rast der Film von Setting zu Setting.
Ursprünglich sollte der Streifen sogar noch mehr Actionszenen enthalten. Als Willow die Zauberin Fin Raziel aus ihrer Verbannung rettete, wurde sein Boot von einem riesigen Fischmonster angegriffen (welches ursprünglich ein kleiner Junge namens Fishboy gewesen ist). Ein weiteres Monster, ein weiterer Charakter…
Auch die restlichen Konzeptzeichnungen weisen auf ein oppulenter gestaltetes Fantasy-Abenteur hin – welches zur Überraschung auch weitaus erwachsener wirkte. Die rechte Konzeptzeichnung von Sorsha macht dies wohl sehr gut deutlich.
Eine weitere Krux des Films, die ich ihm aber nicht wirklich ankreiden möchte. Der Streifen ist nicht zwingend für Kinder geeignet. Natürlich ist es kein alptraumhafter Fantasy-Horror – bedient sich aber dennoch zahlreicher düsterer Elemente, die Kinder wohl eher verschrecken als unterhalten. Gleich zu Anfang des Films wird die nette, alte Hebamme, die Elora vor dem sicheren Tod rettet, von mehreren Dämonenhunden zerfleischt – glaubt mir, als Kind hinterließ dies bei mir einen bleibenden Eindruck. Im Zusammenspiel mit den vielen Storyelementen dürfte dies vollkommen an der eigentlichen Zielgruppe vorbeigehen. So wird aus dem gesamten Film eine recht wilde Tour-de-Force, die alle 5 Minuten mit neuen Fantasy-Bedrohungen aufwartet. Diese wurden allerdings absolut perfekt von ILM umgesetzt. Neben unzähligen Masken und Stop-Motion-Effekten, wurde für die Umsetzung des Films natürlich auch massiv auf Blue-Screen-Aufnahmen zurückgegriffen, ebenso die guten alten Matte-Paintings kommen exzessiv zum Einsatz. Der hohe Einsatz (und die sehr hohe Qualität) an praktischen Effekten, verleiht den Film somit seinen ganz eigenen Charme – auch wenn erstmalig massiv CGI-Effekte eingesetzt wurden. Dies betraf allerdings nur die Morphing-Effekte des Films, die unter der Leitung von Dennis Muren entstanden. Er führte die Arbeit an diesem speziellen Effekt übrigens fort und perfektionierte ihn für James Camerons „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“.
Über James Horners Soundtrack könnte man ebenfalls Bände sprechen, letztlich bleibt aber nur eines zu sagen: er ist absolut episch und gehört und jede Filmsammlung.
Leider schaffte es „Willow“ nicht ein finanzieller Erfolg zu werden. Zwar spielte der Film rund 60 Millionen Dollar ein, bei den hohen Produktionskosten von fast 40 Millionen (ohne Marketing) konnte dies aber Lucas nicht vor den Ausverkauf seines eigenen Studios bewahren. Er musste sich von einem Produktionsteil von LucasFilm verabschieden und stoß seine Animationsabteilung, PIXAR, an Disney ab.
Der finanzielle Mißerfolg resultiert wahrscheinlich aus den oben genannten Gründen. Die Story ist einfach zu groß angelegt. Zuviele Charaktere, zuviele Settings. Aufgeteilt auf zwei Filme wäre der Streifen wohl weitaus erfolgreicher gewesen. George Lucas hat sich hier einfach verkalkuliert. Sein Ziel war es neben „Krieg der Sterne“ und „Indiana Jones“ ein neues Franchise zu begründen. Das Potential hatte der Film ungemein, aber bei erwähnten „Krieg der Sterne“ unterlag man einfach zahlreichen produktiontechnischen Beschränkungen. Man musste die Hero’s Journey auf ein Minimum reduzieren. Weniger wäre auch für „Willow“ mehr gewesen. Für die Saga an sich, hatte Lucas bereits vorrausgeplant – neben den obligatorischen Comics, sollte eine weitere Trilogie folgen. Diese wurde erst in den 90ern in Romanform unter dem Titel „Chronicles of the Shadow War“ veröffentlicht.
Fatality:
„Willow“ ist eine perfekt-inszenierte Fantasie-Bombe mit großartigen Spezial-Effekten, brilliant-gecasteten Schauspielern (Val Kilmer! FTW!), einem genialen Soundtrack und toller Atmosphäre. Nur die Story will einfach zuviel von seiner Welt präsentieren. Allemal reicht es für vier Schädel, da der Streifen geflissendlich zur Königsklasse der Fantasy-Filme gezählt werden darf, doch wünschte man sich etwas mehr Rast und Ruh – für die Charaktere und den Zuschauer. Vielleicht wird irgendwann einmal ein richtiger Director’s Cut erscheinen, der die vielen Actionszenen etwas mehr ausbalanciert…
Krypton McKracken





















































