Stress mit dem Vorgesetzten, kurz vor der Suspendierung, Knarre in der Hose, Hose bis zum Anschlag hochgezogen, Fliegersonnenbrille auf, Lederjacke an, Streichholz im Mund, Haare gegelt – das muss ein 80er-Cop sein. Aber nicht irgendeiner, sondern…
Um genau zu sein: Marion Cobretti – von allen nur Cobra genannt, das härteste Schwein vom Revier. Er fackelt nicht lange. Der mittlerweile zum Repertoire eines jeden Film-Cops gehörende Satz „Alles was sie sagen kann und wird vor Gericht gegen sie verwendet.“ hält er für ein Gerücht. Gangster, die nicht spuren, kriegen erst ’nen coolen Spruch serviert („Du bist eine Krankheit. Und ich die Medizin.“), danach ’ne Ladung Blei. Er ist sogar so cool, dass er nachts ’ne Sonnenbrille trägt und seine drei Tage alte Pizza aus dem Kühlschrank mit ’ner Schere zerschneidet und sie nebenbei verdrückt – wenn er seine Waffe auf Hochglanz poliert und die lokalen Nachrichten sieht…
Natürlich gehört zu jedem noch so coolen 80er-Bullen ein noch viel fieserer Gegenspieler. Hier ist es der Night Slasher – also known as Brian Thompson (der Punk dem Arnie in „The Terminator“ die Klamotten klaut). Dieser zieht umher und schlachtet wahllos Menschen ab. Das schnöde Serienkiller-Dasein ist für den Bosewicht von Welt aber zu wenig – deswegen sinnt er nach mehr. Zusammen mit einer kunterbunten Truppe an gescheiterten Existenzen will er eine neue Ordnung errichten. Dazu hocken sie in Heizungskellern, kloppen Beile gegeneinander und schlachten Menschen ab.
An ihrer neuen Weltordnungs-Philosophie müssen sie inhaltlich noch einmal arbeiten, zuerst scheint es ihnen aber immerhin zu reichen, die Bürger Los Angeles’ in Angst und Schrekcen zu versetzen. Eine davon: Ingrid Knudsen, dänisches Top-Model. Bei einem Mordanschlag wird sie unfreiwillig Zeugin und von da an vom Night Slasher höchstpersönlich gejagt. Cobretti nimmt sich ihrer an und verspricht ihr Schutz – doch bereits die Polizei ist von der Neuen Ordnung infiltriert und ihr Versteck wird verraten. Also heißt es abtauchen.
Nachdem Cobra kurz in Ingrids Unterhose vorbeigeschaut hat, findet der Night Slasher sie, da aber ein Motel im Wüstensand selbst für einen 80er-Schinken zu unspetakulär ist, geht’s für das Finale ab in ein Stahlwerk…
Was für Schwarzenegger das „Phantom-Kommando“ war, ist für Stallone „Die City-Cobra“. Ein Streifen voller cooler Klischees, die so lässig sind wie ein Schlaganfall. Ob man Stallone vor dem Filmdreh eine extra Portion Testosteron ins Genick gespritzt hat, weiß man nicht, vielleicht musste sein Charakter auch nur extra-maskulin wirken, da sein Filmname immerhin Marion ist (WARUM?). Vielleicht liegt’s auch nur am Jahrzehnt – immerhin die verdammten 80er. Und zu einem richtigen 80ies-Actioner gehören nicht nur lässige Actionhelden mit enger Hose (auf denen sich die Konturen des eingequetschten Sacks abzeichnen), die diesen Redeeming-Hero-Quatsch der 90er noch nicht verinnerlicht haben, sondern auch Neonlichter, Synthie-Pop, schreiende Vorgesezte und verängstigte Frauen, deren Filmanteil sich auf ein kreischendes Lattenrost-Ersatz für den Helden beschränkt.
Inhaltlich ist der Film auch als Wurmfortsatz der Reagan-Administration anzusehen – das Stallone nicht gerade zum liberalen Pöbel gehört, dürfte bekannt sein. „Die City-Cobra“ ist demnach sein politisches Testament in Zelluloid-Form. Gesetze gelten für Verbrecher nicht – es sei denn die Cobra macht sie. Da seine Fangquote hoch – und er ansonsten ja auch ein ziemlich cooles Schwein ist – muss sich Cobra auch vor niemanden rechtfertigen. Weder vor den Gerichten, noch vor der Bevölkerung. Natürlich funktioniert dies nur in einem 80er-Jahre-Schinken in dem die Gesellschaft vor die Hunde geht – weswegen dem Zuschauer auch die Shots von obdachlosen Omas und verwahrlosten Jugendlichen in den Straßen L.A.s um die Ohren gehauen wird – dies ist die filmische Realität, das wahre, alltägliche Gesicht Los Angeles’. Von daher sind die Fieslinge im Streifen auch keine normalen Verbrecher mehr, sondern Monstren mit Hackebeil, kantiger Visage und verschwitztem Gesicht, die nur im Halbdunkeln agieren. Was somit Cobrettis amoralisches Handeln im Sinne des Films rechtfertigt. Aus heutiger Sicht regt es mehr zum Schmunzeln an…
Filme sind immer ein Spiegel ihrer Zeit – und in Zeiten der (fehl geschlagenen) Reagonomics, in der sich die arbeitende Gesellschaft in Schufter und Yuppies zersplitterte, sehnte sich das Publikum nach einem wahren Heroen, der nicht aalglatt durch die Gegend stratzte. Kein Sunny-Boy, kein McQueen, kein aufrechter Sheriff, kein Wanye, kein rauher Hund, kein Bronson – sondern ein knallharter Rächer, der in einer Welt lebt in der es keine Grautöne gibt – sondern nur arm und reich, falsch und richtig, schwarz und weiß, gut und böse. Das schafft die Vorlage für einen der hohlsten Action-Helden der Filmgeschichte: Die City-Cobra.
Ein Action-Held mit Knarre, Fliegersonnenbrille, Streicholz im Mundwinkel – dazu einem 1950 Mercury unter’m Arsch – mit dem Nummernschild AWSOM 50…
Coolster Cop der Fimgeschichte. Word.
Fatality:
Wenn zwischen Sack und Gürtelschnalle nur noch Platz für eine Colt 1911 ist, dann bedeutet dies eins: 4 Schädel.
Krypton McKracken















































