Asphalt Kid

(Wild Thing), USA, 1987, ca. 87 Min.
Veröffentlicht: 9. Februar 2011


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1 Stimme(n), Ø 4,00 Köppe
„Du weißt was Männer und Frauen tun, wenn sie sich gerne haben?“
- „Körper aufeinander!“

Mord und Totschlag regieren die Straßen der Großstadt. Frauen werden vergewaltigt, Jugendliche an die Nadel gehängt – selbst die Polizei wechselt für ein paar Dead Presidents (Yeah! I am using Anglo-Saxon ghetto slang, motherfucker!) die Seiten, doch Evildoers of the Großstadt behold! Badness has a new enemy…

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Yeah. Wild Thing – oder für den teutonischen Betrachter dieses Werkes: Asphalt Kid (auch geil). Dieser urbane Superhero ist flink wie eine Katze und – äh, genaugenommen war’s das jetzt auch schon. Im Grunde ist er auch nicht wirklich flink. Genaugenommen kann er eigentlich auch gar nichts. Also, überhaupt nichts. Totale Ebbe. Ehrlich gesagt ist er auch eher (dank fehlgeleiteter Sozialisation durch eine olle Obdachlose) als ein Psychopath zu bezeichnen. Hmh. Naja, was soll’s. Man kann sich seine Helden nicht immer aussuchen. Der Grund für seine gescheiterte Existenz (gemessen an der gesellschaftlichen Norm) liegt in seiner Kindheit. Die Eltern (Hippie-Pärchen auf Chill-Out-Tour durch die USA) wurden vor seinen Augen von einer Gruppe Rocker mit tatkräftiger Unterstützung eines korrupten Bullen umgebracht und ausgeraubt. Nur er überlebte und floh in den örtlichen Stadtpark.

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Dort wurde er von einer alten Schnarre (nennt man hier so…) aufgegriffen, die ihn in die Geheimnisse eines erfolgreichen Obdachlosen-Lebens einführte. So eine Art Gandalf für Tippelbrüder. Schade für den kleinen Jungen, dass die olle Schnarre als geistig-gestört angesehen werden darf, denn jeder Mensch mit Verstand, hätte den Bub in ein Waisenhaus oder zu Adoptiv-Eltern gebracht. Nicht aber sie – denn sie weiß, dass man der Gesellschaft, insbesondere den Blauhemden (Hobo-Code für Polizisten), nicht trauen kann. Und so wird der Junge die nächsten 20 Jahre in die magische Welt der Obdachlosigkeit eingeführt.

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„Blauhemden! Die Blauhemden kriegen Geld von den großen Bossen! Wenn die Blauhemden dich erwischen, schlagen sie dir ins Gesicht! Dann bringen sie dich zu den Weißmänteln. Die Weißmäntel zermanschen dir dein Gehirn. Die Weißmäntel lassen dir die Sicherungen durchbrennen. Sie haben mich vor 20 Jahren kaputtgemacht!“

Hobo-Hogwarts war ihm reichlich dienlich, denn mit Vorranschreiten der Story tauchen die bitterbösen Mörder seiner Familie in namhaften Positionen wieder auf. Der Chef der Rocker ist zu einem Crime-King mutiert, dem alle coolen Gangs Tribut zollen müssen. Der Streifenbulle leitet nun sein eigenes Polizeirevier. Somit regiert das pure Übel die Straßen. Alles was als Kuriosum in der alljährlichen Verbrechensstatistik aufgeführt wird, ist hier Alltag.

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Doch einer kann nicht wegsehen: Asphalt Kid. Dank den Hobo-Skills, die er sich in 20 Jahren erarbeiten konnte (Essen aus Mülltonnen kratzen, Urinstein zu Tarnfarbe umfunktionieren,…das Übliche halt), zieht er ins Gefecht…

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Unbekannte Trash-Perle, Teil XIV: „Asphalt Kid“ gehört zu den Streifen, die mir aufgrund der silbernen Glanz-Optik der Verleihhülle (Ascot Video, baby! Die wußten wie man die Blicke des Videotheken-Kunden auf sich zog…) als kleiner Sputnik, der seine Runden in der Umlaufbahn der örtlichen Videothek täglich drehte, immer im Gedächnis blieben. Und dabei war dies wirklich nur aufgrund des Covers. Es gibt eben so Filme, die einem in der Hirnrinde kleben bleiben, obwohl man sie eigentlich gar nicht kennt. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass eine jahrelange Suche mit Besichtung des Werkes endlich ihr Ende gefunden hat, aber ja, es war ein befriedigendes Erlebnis mal einen dieser Filme zu sehen, mit dem einem schwammige Erinnerungen aus der Kindheit verbinden. Und an dieser Stelle muss ich mal ein Lob an die deutsche PayTV-Landschaft aussprechen – denn ohne diese wäre das Werk wahrscheinlich bereits lange in der Versenkung verschwunden. Und zwar vollständig. Es gibt nur eine deutsche Verleihauflage auf VHS – das war’s. Keine DVD-Veröffentlichung, keine (zumindest bekannte) Free-TV-Ausstrahlung. Im deutschen Film-Netz gibt es nicht einmal eine einzige Besprechung zu diesem Werk – und das obwohl er Grund genug dafür bietet…

Zwischen Graffiti, Mülltonne und Straßenlampen, presst sich Charaktermime Robert Knepper vor die Kameralinse (heutzutage als T-Bag aus der US-Serie „Prison Break“ bekannt). Als drahtiger Überlebenskünstler Asphalt Kid, der nur eine Legende unter Obdachlosen zu sein scheint, nimmt er den Kampf gegen das Ghetto-Verbrechen auf. Dabei bleibt kein Klischee und Fettnäppchen aus. Die Bösen sind böse – und zwar richtig böse – und die Guten sind gut – und zwar richtig gut. Christlich gut. An vorderster Front natürlich der selbstlose Wild Thing – in voller Kampfmontur (geschminkte Augenringe und Kronkorken als Kriegsschmuck – Hobo-Style, eben).

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Regelrecht erschütternd für den Mainstream-Zuschauer dürfte hierbei die Ernsthaftigkeit sein, mit dem der Film seiner Welt, den Charakteren und der Storyline zwanghaft versucht tiefergreifende Aspekte abzugewinnen. Und dabei einfach nur die schlimmsten Klischees bedient. Als Soziopath hat Wild Thing nie gelernt sich richtig auszudrücken und verwendet für die alltäglichsten Dinge äußerst blumige Begriffe. Dies wird besonders deutlich, wenn die Drehbuchautoren ihm ein weibliches Geschöpf zur Seite stellen, in der er sich verlieben darf (siehe folgenden Dialog). In seinem nassen Habitat – irgendwo zwischen Pappcontainer und Bierdosen – kommen sie sich näher. Nachdem das Fräulein herausgefunden hat, dass Wild Thing von ihr Bilder an die Wand malt (jede normale Frau wäre spätestens jetzt schreiend davon gelaufen…). Natürlich darf die Dame zu einem späteren Zeitpunkt vom Bösewicht auch noch entführt werden. Als Druckmittel gegen Wild Thing. Aber erst nachdem beide ihre „Körper aufeinander“ haben…

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Jane: „Du weißt was Männer und Frauen tun, wenn sie sich gerne haben?“
Wild Thing: „Körper aufeinander!“
Jane: „Das ist ein ungewöhnlicher Ausdruck…“
Wild Thing: „Ich hab’s gesehen.“

Der Bösewicht – immerhin ROBERT DAVI himself – ist als Ghetto-King natürlich allmächtig (um seine Omnipräsenz darzustellen, scheppert er regelmäßig mit einem blank polierten Rolls Royce durch das Ghetto – die Gangs schieben ihren Tribut in Form von Dollars nur lässig durch die Autoscheibe)…

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…und beschwört wie einst Darth Vader auf der Executor eine Handvoll Schergen herauf, die Wild Thing umnieten sollen. Weiblicher Bodybuilder mit Uzi, adretter Schlipsträger mit Stiletto – du suchst nach einem Klischees, it’s in here.

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Das Aufgebot der bösen Kräfte bringt zwar nichts, denn am Ende versammelt sich die halbe Ghetto-Community, um ihren neuen Heros, der in die Dunkelheit entschwindet, zu fröhnen, sorgt aber beim Zuschauer mit leichten Hang zur Trashophilie für Freude.

Fatality:
Freunde, hier haben wir es: ein vorzügliches Relikt aus längst vergangenen Tagen. Wer wissen will, was einen 80er-Großstadt-Streifen über Recht und Gerechtigkeit ausmachte, braucht als Anschauungsobjekt nur diesen Film zu sehen. Danach kommt nichts mehr. Naja, zumindest nicht mehr viel. Und das Beste ist: der Film nimmt sich gnadenlos ernst. Dies hier war nie als B-Attacke geplant, sondern als Mainstream-Actioner, der – im besten Falle – ein neues Franchise begründet. Tja, soviel kann bereits festgestellt werden: „Asphalt Kid“ blieb auf selbigen kleben. Für Spin-Offs bin ich nach dem Abenteuer allerdings offen. Holt sie nur her, die Beton-Boys, Fliesen-Fighter und Dielen-Desperados. Ich bin vorbereitet.


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Der Autor...
Krypton McKracken