Was sich wie ein liegengebliebender Sketch von Monty Python liest, wird in diesem filmischen Wunderwerk Realität: Great Britain goes to space.
Die fulminante Raumsonde Churchill, technisch so versiert, dass sie selbst die Schwerelosigkeit übertrumpfen kann, rattert durchs All. Mit an Bord eine kunterbunte Truppe an angel-sächsischen Wissenschaftlern. Was sie im All treiben weiß niemand so genau (doch eigentlich schon….muss ich aber zurückspulen…egal…), doch was sie dort finden werden, wird bald die ganze Menschheit erfahren (naja, war die Ahnungslosigkeit wenigstens für ’ne gelunge Überleitung gut): Space-Bats!
Sehr geehrter Leser, sie haben richtig gelesen: Fledermäuse. Im Weltraum. Warum auch nicht, denkt sich jetzt der ein oder andere Biologe, wohl mit dem Wissen ausgestattet, dass die Evolution unter auch nur leicht anderen Bedingungen kuriose Züge annehmen kann. Von daher. Wenn es irgendwo im Universum einen Planeten gibt, auf dem es Sinn macht, dass riesige Fledermäuse einen organischen Raumfrachter konstruieren, um damit durchs All zu reisen, von mir aus. Damit die ganze Sache aber noch kurioser wird: im außerirdischen Raumschiff (wenn man es so bezeichnen möchte) befinden sich auch drei tiefgefrorene Menschen. Nackt, versteht sich. Beim Anblick dieser zögern die Astronauten nicht lange, und nehmen sie mit an Bord.
Doch dies soll sich als ein schwerwiegender Fehler entpuppen. Nach einem mehrtägigen Kontaktverlust, entscheidet sich die NASA mit einem US-Shuttle mal bei der Churchill vorbeizuschauen. Wie sich herausstellt haben die Besatzungsmitglieder den Weg alles irdischen Lebens genommen. Frisch wie Tutanchamun schwirren sie durch das schwerelose Raumschiff. Die knackigen Außerirdischen hingegen schlafen weiterhin seelenruhig vor sich hin. Sie ahnen es bereits, möchten es aber nicht aussprechen. Irgendwas stimmt hier nicht. Und deswegen wird der ganze Kahn gleich mit auf die Erde genommen. Überlebt hat nur einer, Colonel Tom Carlsen, der Rest hat seine besten Tage bereits hinter sich. Dies gilt aber freilich nicht für die fabelhaften Alien-Wesen, die munter durch den Forschungskomplex wandern und nur ein Ziel haben: die Freiheit. Doch ob dies im Sinne der Menschen ist, kann trotz ihres perfekten Antlitzes bezweifelt werden (gut, die zitterige Grusel-Mucke unterstreicht dies auch dezent…)…
Denn die nette Dame ist auf der Suche nach Lebensenergie, mit der sie ihr Mutterschiff in der Umlaufbahn der Erde speisen kann. Und wer einmal von ihr genascht hat, tja, der sieht im wahrsten Sinne des Wortes sehr alt aus…
Uff. Mal kurz ’ne Pause aus gutem Grunde einlegen. Denn über Jahre hinweg habe ich „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“ nur bis zu diesem Punkt gesehen. Bis zu der Minute, in der Madame Matilda May als Ober-Alien splitterfasernackt über den Teppich wandelt. Danach war Ende im Gelände. Nicht falsch verstehen, ich habe den Film nie aus Desinteresse oder gar Qualitätsgründen abgeschaltet, aber „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“ gehörte zu den Werken, die aus irgendeinem Grund immer an mir vorbeigezogen sind. Und wenn ich den Film mal im glorreichen deutschen Kabelnetz erwischte, dann war dies in der Regel zur späten Stunde. Und trotz aller Bemühungen den Streifen endlich einmal zu Ende zu glotzen, knickte ich allerspätestens bei einer der aufregendsten Szenen weg. Grundsätzlich. Immer. Jetzt kommt aber der Knackpunkt: natürlich konnte ich einen Film nach dem ersten Drittel nicht bewerten, das kann man wohl nie. Aber dennoch kannte ich zumindest die komplette Eröffnung des Films und meinte von daher den Film einschätzen zu können. Oh, Junge. Wie naiv war ich doch. Nachdem ich mich nun nach JAHREN endlich aufgerafft habe, den Streifen bei vollem Bewußtsein und bis zum bitteren Ende zu schauen, bleibt mir nur eines übrig zu sagen:
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Über „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“ hatte ich ja bereits eine Menge gelesen. Die meisten Kritiken fielen grundsätzlich negativ aus. Um ehrlich zu sein: der Streifen wurde von der Journaille gnadenlos zerissen. Da ich ja nur die ersten 30 Minuten kannte, konnte ich dies nie wirklich nachvollziehen. Klar, es gab einige Merkwürdigkeiten zu begutachten, die man sicherlich feinsinniger hätte darstellen können – aber als B-SciFi-Horror war es immerhin qualitativ hochwertig und atmosphärisch überzeugend inszeniert. Inhaltlich etwas arg überzogen, aber mein Gott, da haben wir aus diesem Métier schon Wilderes erlebt. Ich konnte ja nicht ahnen, dass nach 30 Minuten eine Mauer ins Reich des abgrundtiefen Wahnsinns eingerissen wird, die als Kerker phantastischer Wahnvorstellungen diente, die nun ungehindert sich über 90 Minuten Zelluloid ausbreiten dürfen. Ich konnte es doch nicht ahnen, was da noch auf den Zuschauer zukommt. Für die bisherige Ignoranz gegenüber diesem fulminanten B-Spektakel entschuldige ich mich jetzt schon. So, und nun müssen wir da durch. Luft anhalten.
Noch mal ’ne kleine Rekapitulation: britisches Astronauten-Team findet im Inneren des Halleyschen Kometen ein organisches, außerirdisches Raumschiff. An Bord: riesige Fledermäuse (tot) und drei humanoide Wesen (nackt). Nachdem die britische Crew sich in Mumien verwandelt hat (auf mysteriöse Weise), düsen Amis in ihrem Space Shuttle vorbei und retten den einzigen Überlebenden: Colonel Carlsen. Der wird zusammen mit den nackten Außerirdischen nach London gebracht. Doch plötzlich erwacht das extraterrestrische Trio und saugt die Lebensenergie vereinzelter Erdlinge aus (Zufallsprinzip). Nachdem dies vollbracht ist, stolpern sie totally nude (!) durch das abendliche London. Zurück bleibt ein Häuflein verdutzter englischer Wissenschaftler, von denen keiner einen Plan hat, was da überhaupt vor sich gegangen ist. Bis – ja, bis – der totale Terror ausbricht. Frage an die geneigten Leser: wollt ihr den totalen Terror? Wenn ja, lest weiter. Ich rate aber prinzipiell davon ab. Denn wer den Film nicht kennt, sollte es auf sich einwirken lassen. Kauft euch die DVD, leit sie euch aus, wartet auf eine TV-Austrahlung. Wenn nicht, bitte sehr…aber ich hab’ euch gewarnt…und zwar eindringlich…
Das organische Raumschiff spannt seine Segler aus und platziert sich direkt über London. Woher ich das weiß? Sagt ein General (irgendeiner!). Und der muss es ja wissen. Auch wenn er gar nicht weiß, was es überhaupt ist.
Colonel Carlsen: „Wissen sie über das außerirdische Raumschiff Bescheid?“
Britischer General: „Raumschiff?“
Colonel Carlsen: „Das Objekt vom Halleyschen Kometen…?“
Britischer General: „Achso! Es befindet sich in einer geo-stationären Umlaufbahn – direkt über London!“
Ja, und was macht es da? Es saugt die Seelen der Erdbewohner auf!!! Quasi eine seriöse Weltraum-Putze (wer den Gag jetzt nicht schnallt, kriegt eine gescheuert…).
Colonel Carlsen: „All diese kleine blauen Lichter, die zum Himmel hinaufwandern, sind menschliche Seelen!“
Colonel Caine: „Woher wissen sie das?“
Colonel Carlsen: „Ich fühle es.“
Und woher kommen die Seelen? Von allen Menschen in London. Dort herrscht mittlerweile Massenpanik! Und dies aus gutem Grund. Denn die von den Space-Vampiren angezapften Menschen, verwandeln sich nicht mehr nur in Mumien – SONDERN IN FLEISCHFRESSENDE ZOMBIES! Warum weiß keiner so genau. Hmh. Egal. Sieht geil aus.
Somit steht eines schon mal fest: die Menschheit ist dem Untergang geweiht. Jedenfalls wenn’s so weiter geht. Deswegen planen die Militärs schon den Einsatz einer Atombombe. Denn selbst Captain Picard (hier ein hochintelligenter Psychologe von Weltrang) weiß keine Lösung – ganz im Gegenteil. Der ist mittlerweile selber infiziert und versucht Herrn Carlsen die Lebensenergie auszusaugen. Wenn er Erfolg hätte, wäre der Streifen hier schon zu Ende. Hat er also nicht. Stattdessen spuckt er als Latex-Kopp nun literweise Blut, aus diesem sich wiederrum das Alien-Babe formt, welches Kontakt zu Carlsen sucht. Sinn und Zweck erschließt sich mir nicht ganz. Vielleicht einfach nur Verwirrung stiften. Ja, doch. Das ergäbe Sinn. Irgendwie.
Aber einer weiß wenigstens Rat. Der alte schusselige Wissenschaftler Dr. Hans Fallada hat herausgefunden, dass die außerirdischen Wesen tatsächlich Vampire sind! Zu töten mittels Pflock ins Herz! Naja, fast. Ein bleierner Gegenstand (spitz) sollte ihnen ins Energiezentrum gerammt werden – ist aber sinngemäß dasselbe. Denke ich. Ach, im Grunde auch wurscht. Es reicht als Plottwist aus, damit einer der Helden mit ’nem fetten Schwert durch die Gegend laufen darf.
Dr. Hans Fallada: „Ich bin davon überzeugt, dass die legendären Vampire von solchen Geschöpfen abstammen! Möglicherweise genau von diesen drei Wesen. Ich weiß, das klingt nicht besonders glaubwürdig. Können sie mich verstehen, Carlsen?“
Colonel Carlsen: „Es ist mehr als nur eine Theorie, Fallada. Es ist die Wahrheit! Sie haben die Erde früher schon einmal besucht.“
Dr. Hans Fallada: „Aber ich habe einen von ihnen vernichtet. Einen von den männlichen Vampiren. Einen von den transformierten.“
Colonel Carlsen: „Wie haben sie ihn getötet, Fallada? Wie?“
Dr. Hans Fallada: „Nach der alten Methode, Carlsen. Einen starken Metallschaft. Ich habe ihn zwar nicht mitten durchs Herz gestoßen, aber durch das Energiezentrum 5 Zentimeter unter dem Herzen! Nicht Stahl, aber blei-überzogenes Eisen!“
Also schnappt sich Colonel Caine das fette Schwert und rennt damit zum Zentrum der Energieansammlungen: St. Paul’s Cathedral. Dort befinden sich der weibliche Vampir (scheint der Chef zu sein) und der letzte männliche, dort ist auch bereits Colonel Carlsen. Der hat eine mentale Verbindung zum weiblichen Vampir und will diese nutzen, um sie abzulenken und mit Caines Hilfe zu vernichten. Ein Selbstmordkommando. Die klar besseren Karten hat hierbei somit Caine gezogen, zweifelsohne. Auch wenn er erstmal vor der Haustür den letzten männlichen Vampir niederslayen muss – der sich daraufhin in eine Space-Fledermaus verwandelt und explodiert. Hört sich wahnsinnig ab, aber wenn das kommt, ist man bereits abgehärtet. Denkt man gar drüber nach, wirkt es im direkten Vergleich mit allen anderen Unglaublichkeiten übrigens vollkommen logisch und normal. Fettes Schwert in Energiezentrum -> Metamorphose zur Fledermaus -> Explosion. Ja, doch. Klingt logisch.
Das war aber erst der Anfang vom Ende – denn ein Vampir bleibt ja noch übrig – und um den kümmert sich ja Colonel Carlsen persönlich. Verständlich.
Nach getaner Arbeit explodiert St. Paul’s und Carlsen und seine Space-Schnecke fliegen gen Raumschiff…welches sanft dem irdischen Orbit entgleitet…
Prust.
Nun könnte man versuchen, aus diesem ganzen Wirrwarr an phantasischen B-Movie-ideen eine zusammenhänge Handlung zu stricken – oder zumindest irgendsoeine Art innere Logik zu kontruieren. Leute, ich habs versucht. Klappt nicht. Ähnlich erging es wohl auch der Presse, weswegen sie wohl nur Pech und Schwefel über den Film niederrieseln ließ. Klar, man könnte meinen, dass Captain Picard als blutspuckender Latex-Kopp, blauschwirrende Blitze, Horden an Zombies, explodierende Pappbauten, lebendige Mumien, außerirdische Fledermäuse, nackte Weiber, Köpfschüsse, der Halleysche Komet, ein organisches Raumschiff, mittelalterliche Zweihänder und dicke Astronauten-Anzüge niemals einen sinnvollen und zusammenhängennden Film ergeben könnte. Das Argument so präsentiert, kann ich zumindest ansatzweise nachvollziehen…
Aber man könnte genauso gut sagen: HEY! Captain Picard als blutspuckender Latex-Kopp! Blauschwirrende Blitze! Horden an Zombies! Explodierende Pappbauten! Lebendige Mumien! Außerirdische Fledermäuse! Nackte Weiber! Köpfschüsse! Der Halleysche Komet! Ein organisches Raumschiff! Mittelalterliche Zweihänder! Dicke Astronauten-Anzüge! IN EINEM FILM! WAAAAAAHHHHHHHHH!!! Klingt doch schon viel besser, ne? Kloppt man dazu noch die passenden Szenenbilder rein, kann eigentlich niemand was schlechtes zu diesem Werk sagen. Niemand. Und wer das doch tut, kriegt ’nen Kopfschuss…
Und das Beste ist: dieses wilde B-Film-Massaker stammt nicht von igrendwelchen Nulpen, die schonmal aus ’ner Biertonne und zwei Meter Draht Film-Roboter zusammenbauen, sondern quasi von den Meistern ihres Faches. Auf dem Registuhl nahm Tobe Hooper Platz, Freunden des phantastischen Films als Regisseurs des „Kettensägenmassakers“ und „Poltergeist“ bekannt (nicht zu vergessen der hervorragend-inszenierte Slasher „Funhouse“). Für die Spezialeffekte holte man John Dykstra an Bord. Ja, DER John Dykstra. Der Schöpfer des Motion-Control-Systems (bahnbrechend für die moderne SFX-Industrie) und Preisträger zahlreicher Filmpreise (Oscar inklusive). Hat in jüngeren Jahren Tie-Fighter zum Fliegen und Lichtschwerter zum Glühen gebracht. Als ob das alles noch nicht genug war, durfte Komponist Michael Kamen den Dirigenten-Stock schwingen und komponierte einen sehr kräftigen, imposanten Score. Kenner der Materie besitzen den sehr raren Soundtrack, der aufgrund des Misserfolgs des Films leider nicht sehr viel Beachtung bekam. Deswegen muss als Beispiel auch folgende Interpretaion des Prager Film-Orchesters herhalten. Das Original wurde vom Londoner Symphony Orchestra eingespielt – Soundtrack-Liebhaber wohl bestens bekannt…
Das reicht aber natürlich noch nicht. Das Drehbuch stammt von Dan O’Bannon, Regisseur von „Return of the living Dead“ und Produzent, sowie Darsteller, in John Carpenters „Dark Star“. Wollen wir noch einen draufsetzen? Natürlich. Produziert wurde die ganze Chose auch noch von Menahem Golan und Yoram Globus. Die beiden israelischen Cousins, die in den 80ern mit Cannon Films das Filmgeschäft durcheinander wirbelten. „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“ stellte den ersten von insgesamt drei Filmen von Tobe Hooper dar, den er für Cannon gedrehte. Danach folgten das Remake zu „Invasion vom Mars“ und die Fortsetzung seines Kultklassikers „Texas Chainsaw Massacre 2“ (in Deutschland unveröffentlicht). Doch „Lifeforce“ war zweifelsohne das ambitionierteste Projekt. 25 Millionen Dollar kloppten Golan und Globus auf den Tisch. Und selbst dies reichte letztlich nicht aus. Zweifelsohne – man sieht es dem Film an. „Lifeforce“ ist hochgradig produziert und inszeniert. Ob Musik, Effekte, Schnitt, Kameraführung – der Produktionswert katapultiert den Film in die A-Liga – aber die Storyline zieht ihn zurück in das düstere B-Reich. Und das ist das eigentlich Kuriose an dem ganzen Werk. Es ist der wohl best-produzierteste B-Knaller, der jemals die internationalen Kino-Leinwände eroberte. Inhaltlich ist der Streifen hingegen vollkommen absurd. Aber aufgrund der brillianten Effekte, dem phantastischen Score, den überzeugenden Schauspielern und der sicheren (übrigens auch nur konsequenten) Inszenierung ein absolutes Massaker für alle B-Fans. So, und da dies Wort so schön darauf zutrifft, verwende ich es als Fatality einfach nochmal…
Fatality:
MASSAKER!
Krypton McKracken




















































