Zwei Jahre nach der Pleite von Orion Pictures schaffte es diesen Werk noch aus dem allesverschlingendem Schlund der Insolvenz. Manch ein RoboCop-Jünger wünschte sich, dass dieses nie passiert wäre, ist er doch in seiner Machart so anders als seine Vorgänger. Doch „RoboCop 3“ wird seinen Schmähungen nicht gerecht – schaut man sich den Streifen unabhängig von seinen Kritiken an, so erkennt man recht schnell seine Qualitäten…
X Jahre nach „RoboCop 2“: der OCP-Konzern steht kurz vor dem finanziellen Ruin. Ein japanischer Anteilseigner sieht die letzte Hoffnung für OCP nur noch in der Errichtung Delta Citys, dafür muss allerdings das alte Slum-Viertel geräumt werden. Die Bewohner setzten sich zur Wehr. Ungeachtet von der Öffentlichkeit und der Polizei setzt OCP dazu die Rehabs ein – eine äußerst brutale, paramilitärische Organisation, angeführt vom skrupellosen McDaggett.
Bei einem Räumungsversuch einer Kirche stellt sich Officer Anne Lewis zwischen ihnen und den Bewohnern und wird rücksichtlos von den Rehabs erschossen. RoboCop entscheidet sich von nun an (mal wieder) gegen seinen eigenen Schöpfer, dem Konzern OCP, zu handeln und stellt sich auf die Seite der rebellierenden Slum-Bewohner. Doch diese kämpfen nicht nur gegen die Rehabs und OCP, sondern auch gegen den japanischen Mutterkonzern und seine Ninja-Cyborg.
Dies ist das Grundgerüst, auf dem „RoboCop 3“ errichtet wurde. Liest man es neutral, so könnte man von einem würdigen Nachfolger sprechen. Die bedrückende Atmosphäre des post-industriellen Rust Belts, die Übernahme traditioneller Industrien vor allem durch ausländische Firmen (allen voran japanische), der Untergang des Mittelstandes, das massive Outsourcing Millionen von Arbeitsplätzen, dies alles wird satirisch eingefangenen und unterhaltsam umgesetzt. Natürlich dient hierzu in erster Linie wieder Media Break, die Nachrichtensendung, genauso wie die Werbeunterbrechungen, die uns bereits in den vorangegangenen Filmen von der fiktiven Zukunft RoboCops berichtete.
Diese stellen ein absolutes Highlight des Films dar und können durchaus mit dem ersten Teil mithalten. Gleiches gilt auch für Basil Poledouris’ Filmusik, der zum Franchise zurückkehrt und seine Kompositionen aus Teil 1 neu arrangiert. Schauspielerisch gibt es auch nichts zu meckern – ein bissel Over-Acting an der ein oder anderen Stelle, aber im Großen und Ganzen spielen alle Darsteller ihre Rollen überzeugend. Dies gilt insbesondere für den Peter-Weller-Ersatz Robert Burke (wenn man es nicht wüßte, würde man ihn selbst ohne Helm glatt mit Weller verwechseln) und Rip Torn als neuer OCP-Chef. Tricktechnisch darf man aufgrund des niedrigen Budgets kein SFX-Feuerwerk erwarten, dennoch können diese im Rahmen des Films vollends überzeugen.
Man könnte nun meinen, dass der Film somit eigentlich wenig Angriffsfläche bieten würde, wenn all diese Faktoren positiv zu werten sind. Nicht ganz – leider. Das große Problem von „RoboCop 3“ sind weder die Schauspieler, die Musik, die Kameraarbeit, noch die inhaltlichen Ideen – die immerhin von Frank Miller stammen (allerdings nur lose, weswegen er sich auch vom fertigen Werk distanziert) – sondern die gesamte Atmosphäre. Orion verlangte nach den recht blutigen ersten Teilen, die allesamt ein hartes R-Rating erhielten (und dafür auch noch geschnitten werden mussten), den dritten Teil einer größeren Zielgruppe zu widmen. Dies bedeutet natürlich immer: Jugendkompatibel. Ein PG-13 wurde anvisiert, alle zu brutalen Stellen herausgestrichen, der harte Grundton der Vorgänger massiv abgemildert und zahlreiche „auflockernde“ Gags eingebaut. Wie schwer dies dem Gesamteindruck schadet, macht vor allem der Bravo-Film-Fotoroman deutlich, der den Ton des Films (leider) sehr gut trifft:
Ich würde behaupten, dass die Atmossphäre damit recht gut eingefangen ist. „RoboCop 3“ ist zwar kein Kinderfilm, aber dennoch als futuristisches Cyborg-Abenteuer konzipiert, welches absichtlich versucht ihnaltliche Schwerpunkte nicht zu stark ausarbeiten, klare Trennlinien zwischen Gut und Böse zu ziehen und vermehrt auf überzogene Gag-Action setzt. Sei es RoboCops Verfolgungsjagd in einem ausgebombten Cadillac, sein Jetpack, welches ihm ermöglicht durch die Lüfte zu düsen oder sein kybernetischer Widersacher Otomo, der als Ninja im Seidenanzug daherkommt.
Nicht zu vergessen das hyperintelligente Kind, welches mit ihrem Laptop sogar ED-209 ausschalten kann. Dies alles macht natürlich noch lange keinen schlechten Film, verfehlt es bloß vollkommen die eigentliche Zielgruppe. Es ist sehr schade, dass es Regisseur Fred Dekker nicht erlaubt war, einen erwachsenen Film zu inszenieren – denn der familientaugliche RoboCop beendete quasi Dekkers Regie-Karriere. Für ihn war das besonders hart. Besonders im Genre-Kino der 80er hat er mit Filmen wie „Die Nacht der Creeps“ und „Monster Busters“ seine Fußspuren hinterlassen. Bei „RoboCop 3“ zeigt er zweifelsohne, dass er in der Lage ist auch eine Big-Budget-Produktion zu stemmen. Viele Szenen sind fantastisch inszeniert. Ob man das Jet Pack nun mag oder nicht, die Szene in der RoboCo vom Himmel stürzt und die Rehabs und Splatter-Punks von den Straßen Detroits fegt, ist fantastisch. Die Kameraeinstellungen, die musikalische Untermalung, der Schnitt – hier sitzt alles. Dennoch passt es aber letztlich einfach nicht in das zynische und brutale RoboCop-Universum. Zu sehr weicht der Film von seinen Vorgängern ab. Und dabei war Dekker wirklich darum bemüht, den dritten Teil wieder näher an das Original zu bringen. Er ging zurück nach Old Detroit und baute sehr viele Hommagen an den ersten Teil ein.
„The movie was not well regarded. I also think it was a no-win situation. The character that Ed Neumeier and Michael Miner created is a really interesting character. The first movie, the Paul Verhoeven movie, is a great movie. But his personal journey is really over at the end of that first movie, and he isn’t the type of character like James Bond that’s going to necessarily benefit from repeated adventures. In retrospect, we were screwed from the get-go. The company that I made the movie for was really adamant that we skew to a slighter younger audience. I don’t think that was a mistake per-say, except that the character is very dark and his world is very violent and cynical. I think it was an uneasy alliance there. We had a lot of strikes against us, but I’m actually very pleased with a lot of that movie.“
- Fred Dekker
Aber letztlich half dies alles nichts. Denn die Grundidee eines familienfreundlichen RoboCops funktioniert einfach leider nicht.
Fatality:
Ich vergebe für den finalen Teil der Trilogie 3 Köppe – und das als riesiger Verehrer des Originals! Ich lasse mich eher von den positiven Aspekten des Films unterhalten, die für mich letzlich einen kurzweiligen Entertainment-Spaß darstellen. Klar, es ist in keinster Weise mit seinem Vorgängern vergleichbar, kommt diesem nicht einmal ansatzweise nahe und ist demnach auch nicht zwingend ein Nachfolger auf Augenhöhe – ABER der Film hat einen hohen Entertainment-Faktor. Wenn Poledouris’ Score ertönt und RoboCop durch Detroit marschiert, dann schlägt mein Fan-Herz etwas höher. Das ist schon mal was wert.
Krypton McKracken












































