Die Welt der drittklassigen Gruselwesen möge vor Angst erstarren: an der Westküste Amerikas macht sich ein unheimliches Monster mit chinesischen Migrationshintergrund breit, dessen Klinge Köppe im Akkord abrasiert. Nur ein Mensch kann die Seuche aus dem Reich der Mitte aufhalten. Sein Name ist Bruce.
Bruce Campbell um genau zu sein. Ruhmreicher Hassadeur unzähliger B- und Kult-Filme. Direct-to-Video-Gottheit. Idol ganzer Generationen. In seinen Filmen kämpfte er gegen die finstersten Ausgeburten des amerikanische Fantasy-Kinos. Ob die Armee der Finsternis, das Necronimcon, sein schreiendes Gehirn, ein alt-ägyptischer Pharao – es gab nichts gegen das Bruce nicht ins Gefecht ziehen musste. Doch nun steht ihm die wahre Inkarnation des Bösen bevor: Guan-Di.
Im Herzen Oregons, dem beschaulichen Städtchen Gold Lick, schleicht Guan-Di, chinesischer Gott des Krieges, durchs Unterholz und nimmt Rache an all denen, die, die Gräber chinesischer Gastarbeiter geschändet haben. Da in Gold Lick so ziemlich jeder mit jedem verwandt ist, betrifft dies automatisch die gesamte Gemeinde. In der Hoffnung den Dämon loszuwerden, entscheidet sich der junge Jeff sein großes Idol, Bruce Campbell, Movie-Monster-Slayer alter Schule, zu entführen und ihn in den Kampf gegen den Kriegsgott zu schicken. Was Jeff dabei nicht bedacht hat, ist, das Bruce in Wirklichkeit ein abgewrackter B-Movie-Star ist, der an der Flasche (und seinen Hawaii-Hemden) hängt. Bruce spielt dennoch mit – im (Irr-)Glauben, das dies alles nur ein Scherz seines Agenten Ted Raimi ist. Immerhin gibt es umsonst Whiskey und Jeffs Mutter ist eine echte MILF – warum dann gleich wieder die Zelte abbrechen? Also schnappt er sich einen Colt und führt die Stadt im Kampf gegen den unsäglichen (und unbequemen) Guan-Di an…
In einem Anfall von Euphorie machen sich die Rednecks mitsamt Schrotflinte und Taschenlampe in die Wälder ringsum Gold Lick auf, doch schon bald müssen sie feststellen, dass Bruce im wahren Angesicht des Bösen kein Held ist. Schreiend läuft er davon und erschießt dabei in Panik auch noch einige der Bürger. Enttäuscht von seinem Idol entscheidet sich Jesse alleine in den Kampf gegen Guan-Di zu ziehen. Als Bruce davon erfährt, entscheidet er sich noch einmal nach Gold Lick zurückzukehren – um Guan-Di zu besiegen, Jeff zu retten – und dessen Mutter flachzulegen.
Teils derbe, teils flach – aber immer witzig – kommt Bruces Hommage an Bruce daher. Wer hier eine ernste B-Movie-Parodie erwartet ist vollkommen fehl am Platz – es sei denn man versteht unter B-Movie ein Bruce-Movie. Wer wirklich moderne B-Filme sehen will, ist bei Streifen wie „Bubba Ho-Tep“, „Slither“ oder „Jake Brooks: Monster Slayer“ sicherlich viel besser aufgehoben. „My name is Bruce“ ist ein brachialer Nonsense-Trip gespickt mit Zitaten aus Bruces Leben und Werk – und gerade letzteres ist eben nicht eingbeettet in eine klassische B-Movie-Karriere der 50er, 60er oder 70er-Jahre, sondern tief in den Gefilden des Direct-to-Video-Wahns der ausgehenden 80er und gesamten 90er. Sprich: „Alien Apocalypse“, „Man with the screaming brain“, „Brainslaher“ – von mir aus auch „Doom 4“. Dies ist das Fundament, auf dem „My name is Bruce“ aufgebaut ist – und Campbell weiß dies auch.
In seiner 2002 erschienen Autobiographie „If Chins could kill!“ schloß Bruce Campbell seine persönliche Reise über seine Karriere mit den folgenden Worten ab:
„Hard as I tried, I could never fully explain that I have grown weary of chasing that exclusive fame train and was far more interesting in visiting those childhood summers of super-8-films, when it wasn’t about money or status. (…) I was doing it for having fun.“
Und ehrlich gesagt, passt insbesondere der letzte Satz zu diesem Film wie die Faust aufs Auge. „My Name is Bruce“ ist simpel und einfach ein Fun-Film – von Bruce Campbell über Bruce Campbell für Bruce-Campbell-Fans. Wie kaum ein anderer Schauspieler nimmt er sich, seine Karriere und seine Fangemeide auf die Schippe. Daziwschen rumpelt ein chinesisches Monster, poltern haufenweise altbackener Gags über die Leinwand, versuchen sich Schauspiel-Jungfrauen in Hauptrollen zu beweisen, singen Sheriffs und Postboten von grauenerregenden Flüchen, pinkeln fette Produktionsassitenten in Eis-Tees und spucken Alien-Atrappen zähflüssigen Schleim in die Kameras. Köppe werden abgehackt, Whiskey-Flaschen geleert, Nebelmaschinen angeschmissen. Das Direct-to-Video-Spektakel nimmt keine Rücksicht auf Verluste.
Gespickt ist Bruces Film dazu noch mit unzähligen Gast-Auftritten seiner früheren Kollegen. So spielt Timothy Quill mit, der bereits als Schmied in „Armee der Finsternis“ und in Sam Raimis erste professionellen Kurzfilm „It’s Murder“ von 1977 mit dabei war. Ebenfalls Ellen Sandweis läuft vor der Kamera herum – bestens bekannt als Ashs Freundin in „Within the Woods“ und natürlich dem Remake „Tanz der Teufel“. Allerdings sind dies nun wirklich nur kleine Schmankerl für Fans des Campbell’schen Universums. Highlight stellt ganz klar Ted Raimi dar – mit dem Bruce nicht nur von Zeit zu Zeit rappt („Money’s gettin’ bigger…“), sondern der hier auch gleich in drei Rollen glänzt.
„My name is Bruce“ ist ein reines Fan-Fest. Wer bei Streifen wie „Man with the screaming brain“ oder „Alien Apocalypse“ lauthals seinen König ehren konnte, darf sich auf eine Slapstick-Horror-Parodie alter Schule freuen – wer nicht, der soll bitte an der alten Gold Lick-Mine das chinesische Schutz-Siegel entfernen…und den Kopp abgehackt kriegen.
Fatality:
Hail to the king, baby!
Krypton McKracken






































