Meine Damen und Herren, folgender Film darf uneingeschränkt zum Genre der absoluten Knaller gezählt werden. Soviel vorweg.
Berlin im tiefsten 80er Sumpf: in einer verdreckten Seitengasse wird ein neues Kino eröffnet. Als Eröffnungsfilm hat der Betreiber ein wahres Schlachtschiff des abseitigen 80er-Horrors aufgetrieben: Friedhof-Grusel mit Dämoneneinlage. Eine Gruppe Twens durchstreift nachts ein altes Gemäuer. Dabei stoßen sie nicht nur auf Styropor-Grabsteine und Kunstnebel, sondern auch auf Nostradamus’ Grab (ach, was’n Zufall…). Wie sich herausstellt, wurde dieser nicht nur in einem Schuhkarton-großen Sarg beerdigt – sondern sagte auch noch die HERRSCHAFT DER DÄMONEN AUF ERDEN vorraus. „Es werden Friedhöfe sein, eure Kathedralen. Und die Städte eure Gräber.“ – laut Film aus Nostradamus Munde. Die Twens scheinen es zu glauben…
„Nostradamus war ein Prophet aus dem fünften Jahrhundert. Er hat ’ne Menge Sachen vorrausgesagt, die dann auch wirklich eingetroffen sind.“
- „Und was zum Beispiel?“
„Na, zum Beispiel die Entdeckung von Neptun und Uranus, oder die zwei Weltkriege, die Machtübernahme der Dämonen!“
Abgesehen von der Tatsache, das der Herr Nostradamus nicht aus dem fünften, sondern aus dem sechzehnten Jahrhundert stammte und noch nie etwas vorrausgesagt hat (jedenfalls nichts, was in Erfüllung gegangen wäre), scheint er zumindest in diesem Fall richtig gelegen zu haben. Kurze Zeit nachdem sein Grab von den Twens geöffnet wurde, poltern die Dämonen hervor – der Rest dürfte klar sein: B-Film-Massaker…
Gut, das dies alles ja nur ein Film gewesen ist. Das buntzusammengewürfelte Publikum darf noch einmal kurz durchatmen – wobei die Betonung auf kurz liegt, denn der Streifen entwickelt ein grausiges Eigenleben. Was auf der Leinwand noch der Unterhaltung diente, wird nun blutige Realität. Aus allen Ecken des Kinos platzen Dämonen hervor. Köppe werden zerdrescht, Arme abgerissen, Augen rausgerissen, Finger abgetrennt – totaler Mayhem.
Zum Glück ist aber Urbano Barberini gerade von Gor zurückkehrt und hat ein Ninja-Schwert dabei – und ’ne MotoCross-Maschine. Ganz lässig mit Cheryl, seiner Film-Freundin, draufgeschnallt, düst er durchs Kino und slayt ’ne Runde Dämonen…
Aber aufpassen, der eigentliche Kracher kommt ja erst noch. Untermalt wurde dies mit der Musik von…*trommelwirbel*…ACCEPT! Um genau zu sein: „Fast as a shark“! Und so dröhnt es fröhlich zum Gemetzel aus den Lautsprechern…
„Fast as a shark he’ll cut out of the dark!
He’s a killer – he’ll rip out your heart!
On a one way track and you’re not coming back
cause the killer’s on the attack!“
Wer schändlicherweise mit dem Lied nicht viel anfangen kann, der möge bitte den fulminanten Medien-Lieferservice lokaler Videoportale einen Besuch abstatten…
Als das Dämonen-Massaker überstanden ist, darf Urbano mit Cheryl das blutgetränkte Kino verlassen – aber nur um herauszufinden, dass West-Berlin in Trümmern liegt. Quasi wie am ersten Mai. Aber keine Panik, im (eigentlich) zweiten Teil ist der friedliche Status Quo wiederhergestellt…
Unter mannigfaltigen Titeln erschienen (hier: „Dance of the Demons“) und durch bundesdeutsche Behörden mit Repressalien übersäht (Indizierung und Beschlagnahmung anno 1988), avancierte „Dämonen 2“ (der eigentlich Teil 1 ist…) schnell zum Kultkracher. Mario Bavas Sprößling Lamberto, der uns vorher schon mit dem unglaublich-fiesen Trasher „Rabid Dogs“ beglückte, legt hier sein Meisterwerk vor. Nicht nur die Tatsache, dass der gesamte Streifen in Deutschland spielt, macht ihn zu einem besonderen Unikum – vor allem das famose Finale mit Moped, Ninja-Schwert und Accept als Hintergrund-Musik katapultiert den Film in die Unsterblichkeit. Hinzu kommen brachiale Splatter-Effekte, vermischt mit Schreckensschreien, coolen Sprüchen und vollkommen wahnsinnigen Kampfeinlagen. Alle weiteren Erläuterungen würden das Filmvergnügen nur schmälern. „Dämonen 2“ braucht man nicht auf sich einwirken zu lassen – von „Dämonen 2“ muss man sich bombadieren lassen. Volume auf Maximum drehen, Chipstüte aufreißen, Hansa-Cotainern rechts neben den Sofa positionieren. Dann darf gepflegt mitgegröhlt werden.
Wie erwähnt scheinen die deutschen Behörden die Begeisterung über „Dämonen 2“ nicht zu teilen. Fünf Monate nachdem die bereits um 40 Sekunden geschnittene Verleih-Fassung von New Vision indiziert wurde, hat man den Film beschlagnahmt. Sei’s drum – in Zeiten von Internet-Downloads und österreichischen Import-DVDs darf man dieses wohl nur noch getrost als ungewollte, aber zusätzliche Werbemaßnahme ansehen. Natürlich darf ich an dieser Stelle keine Empfehlung irgendeiner DVD-Auflage geben – könnte man ja als Bewerbung des Films missverstehen – aber ich habe gehört, dass dieses Jahr in den Alpen die Sonne besonders schön scheint…
Fatality:
Fast as a shark he’ll cut out of the dark! He’s a killer – he’ll rip out your heart! 5 Schädel, mein Mädel!
Krypton McKracken











































