Alle Mann festhulken…
Bevor der gute, alte Hulk sich durch hochglänzende Hollywood-Schinken als CGI-Klopper durch die Gegend schmetterte, gab’s bereits eine äußerst erfolgreiche TV-Serie, die insgesamt FÜNF TV-Filme nach sich zog. Einige dieser Filmchen wurden für den deutschen Videomarkt aufbereitet, nachdem sie zuvor von RTL ’ne Runde gegeekt wurden. Das der Herkules-Hühne Lou Ferrigno sich aufgrund Mangel an Effekten sich grün anpinselte, ’ne Struppel-Perücke und enge Jeans anzog, dürfte allseits bekannt sein – aber das man in den drei in Deutschland veröffentlichten Filmchen auch andere Marvel-Knaller zu Gesicht bekam, ist gemeinhin unbekannt. Im dritten Teil, „Der unglaubliche Hulk vor Gericht“, springt der Daredevil im Stoffanzug durch die Gassen – im vorliegenden Werk, dem zweiten Teil, ist es immerhin THOR, Odins Sohn,…
…weswegen auch irgendwer auf die Idee kam im (TV-Serien-)Vorspann den Titel „Thor 2000“ reinzuzimmern. Fällt auch nicht auf, wenn auf der Packung ein vollkommen anderer Titel steht und zwischen Explosionen und dramatischer Musik auf einmal eine Runde Nordsee-Flut inklusiver gefakten Titel erscheint. Nun, gut. Richtiger deutscher Titel wäre „Die Rückkehr des unheimlichen Hulk“ (bevor der Hulk auch in Deutschland „unglaublich“ wurde, war er lediglich „unheimlich“) – und unheimlich ist hier auch so ziemlich alles. Insbesondere der bereits erwähnte Thor. Normalerweise sieht der Kollege aus der nordischen Mythologie recht stämmisch aus…hier kommt er dann doch mehr wie der Sonntag-Nacht-WWF-Ersatzcatcher fürs Vorrundenprogramm daher. Obwohl man auch so ehrlich sein und zugeben muss, dass weder Thor noch Hulk ihrem Comic-Vorbildern nahe kommen. Aber genau deswegen lieben wir ja diesen Kram…
Also, mit Thor hamma scho’ ’nen ziemlichen Kracher drin. Der Hulk, allseits bekannt, rockt eh das Fett weg. Lou Ferrigno, grün-angemalt und auf „Ganz-schön-wütend“-Modus eingestellt, ist gottgleich. Muss nur noch der Rest überzeugen, die Story. Und hier, Freunde des inflationären Superhelden-Films, wird uns ganz schön harter Tobak geboten…
Dr.David Bruce Banner hat sich (aus Versehen) bei einem geheimen Experiment mit Gammastrahlen bis zum Maximum vollgepumpt. Das Ergebnis: immer wenn er wütend wird, verwandelt er sich in den UNHEIMLICHEN HULK! Oder: Lou Ferrigno mit Perücke. Dann zerdeppert er alles was ihm in den Weg kommt. Als erstes waren dies zwei Militär-Wissenschaftler, die sich aufgrund seines Wutausbruchs nun 3 Meter unter der Erde befinden. Seitdem ist er auf der Flucht. Zum einem um seine Unschuld zu beweisen (dürfte juristisch schwer sein – es war zwar sein Alter Ego Hulk, eine andere Persönlichkeit, aber dennoch ein und dieselbe Person), zum anderen um ein Gegenmittel zu seiner grünen Wut finden. Der Hulk muss weg. Soviel steht fest. Dabei zieht er einsam über die Landstraßen Amerikas und nistet sich ganz nach Bedarf in die Strandhäuser dauerwelliger Frauen mittleren Alters ein. Ein Experiment zwingt ihn allerdings wieder in die Öffentlichkeit. Als Dr.Bannister getarnt, beteiligt er sich an einer neuen Gammastrahlen-Untersuchung, in der Hoffnung dem Hulk in ihm den Garaus zu machen. Dort trifft David auf den jungen Archäologen und Hobby-Bergsteiger Donald, der ihn eine schier unglaubliche Geschichte erzählt!
Als er vor geraumer Zeit durch die Berge im „Norden“ (wird nicht genau spezifisiert) stapfte, traf er auf eine alte „Wikinger“-Höhle (naja…). Dort fand er das Grab eines vor Jahrhunderten verstorbenen Wikinger-Kriegers. Mit im Grab lag ein mächtiger Hammer, den er aus dem Steinsarg entnahm. Frei nach dem Motto „Es kracht, es zischt – zu sehen ist nischt!“ fängt der Hammer an zu beben. AUF EINMAL! Blaue Blitze! Uhuh. Was geht hier vor?
THOR GEHT HIER VOR! Durch das Hochheben des Hammers wurde Thor, Odins Sohn, wieder zum Leben erweckt. Und da Thor ein astreiner Kumpel zu sein scheint, nimmt Donald ihn gleich mit nach Amerika. Thor ist natürlich vom Industriezeitalter sehr beeindruckt und macht sich mit Donald auch sogleich in die nächstbeste Rockerbar! Dort wird gesoffen, und getanzt, und gehurt…was Wikinger in ihrer Freizeit eben so treiben…
Das Thor aber ein richtiger Krieger ist, merkt man spätestens dann, wenn er ein Sechser-Pack-Bier mit seinem Messer öffnet. Geil, hab ich das letzte Mal von 16-jährigen Power-Metallern auf’m „Wacken 1999“ gesehen.
Somit haben wir die beiden Kampfkolosse, sowie den Sidekick-Buddy, Science-Nerd Donald, eingeführt. Jetzt kann das Theater beginnen. Vorhang auf für die Superschurken der Superhelden…im TV-Format. Wie schon aus der „Spider-Man – Der Spinnenmensch“-Serie bekannt, reichte das Budget nicht aus, um wahnwitzige Fieslinge mit Superkräften zu konstruieren – deswegen müssen nicht minder fiese Bösewichter herhalten – und Überraschung – hier ist es Tim Thomerson als Jack LeBeau! YEAH! Dem Standard-Trancer-Jäger hat es diesmal auf die dunkle Seite verschlagen…
Was Jack LeBeau will ist klar. Er will Davids Gammastrahlen-Maschine. Deswegen hat er seine Lebensabschnittsgefährtin entführt. 24 Stunden hat unser David Zeit – sonst ist seine Freundin Geschichte. Da David die Maschine nicht hergeben kann (Gewissensbisse…außerdem die einzige Maschine die ihn heilen kann), bildet er zusammen mit Thor ein schlagkräftiges Duo (mit Sidekick Donald im Anhang) und vermöbelt die Gangster in einer alten Industrieanlage…
Es kommt natürlich was kommen muss. Thor und Hulk sind erfolgreich. Die Gangster hinüber, Davids Freundin befreit. Thor kann nun endlich wieder nach Valhalla zurückkehren und der gute David? Nun, bei der ganzen Aktion ist seine Gammastrahlen-Maschine, die ihn hätte heilen können, hinüber gegangen. Tja, und während Thor sich im Valhalla eumelt, muss David (wieder einmal) die leeren Landstraßen Nord-Amerikas abgehen…halt, doch nicht! Hier ist es wenigstens mal ein Strand…
„Die Rückkehr des unheimlichen Hulk“ gehört zweifelsohne zur Speerspitze der Prä-CGI-Superhelden. Lou Ferrigno dürfte allein ein Grund sein, für dieses cineatische Meisterwerk ein paar Euronen auf den Tisch zu legen, aber Thor setzt allem noch die Krone auf. Zum Glück wurde dieses Werk im August 2008 endlich auch in Deutschland auf DVD gepresst – allerdings in einer sehr mittelmäßigen Qualität. Das Vollbild-Format muss man logischerweise bei einer TV-Produktion aus dem Jahre 1988 in Kauf nehmen, allerdings scheint es für dieses Werk wohl kein gut erhaltenes Audio-Master mehr zu geben. Der Ton ist schlichtweg im unteren Mittelfeld, aber hey, man kann es auch als Vintage-Audio bezeichnen und sich vorstellen, man würde anstatt einer DVD eine gute, alte Videokassette begutachten. Die Macht der Fantasie lässt alles überstrahlen. Und spätestens wenn sich Thor und Hulk kloppen, ist es eh wurscht.
Fatality:
Hier wird der Comic-Geek voll auf seine Kosten kommen. Blaue Blitze, grüne Haut, Wikinger-Helme, Bodybuilder-Muskeln, Pseudo-Wissenschaften – dazwischen Lou Ferrigno und der leider viel zu früh verstorbene Bill Bixby. Wer sich für Comic-Verfilmungen interessiert, kommt an der Hulk-TV-Serie nicht vorbei und sollte dementsprechend den besten Hulk-TV-Film zumindest mal begutachtet haben. Und wer mit Superhelden nichts anfangen kann, der kann hier zumindest ’nen geilen Wikinger beim Kloppen zuschauen…
Krypton McKracken
















































