Was waren die 70er wild. Nachdem „Superman“ seinen Teppich durch die Luft schleudern durfte (keine Ahnung was das bedeutet…hab kein besseres Synonym für seinen ersten Leinwand-Auftritt gefunden), war es nur eine Frage der Zeit bis Marvel sein bekanntestes Baby auf den Filmmarkt katapultieren würde. Doch halt! Genaugenommen ist dies nicht einmal ein Film, sondern lediglich der Zusammenschnitt zweier TV-Episoden mit dem Titel „The Deadly Dust“. Egal, für den europäischen Videomarkt hat es als eigenständiger Film gereicht. Insgesamt sogar für drei, denn…
…ist genaugenommen der zweite Teil der 70er-Spinnenmensch-Trilogie. Mit „Spider-Man – Der Spinnenmensch“ und ferngesteuerten Kriminellen fing es an, mit „Spider-Man gegen den gelben Drachen“ und einer Horde Halbtags-Triaden hörte es auf. Glorreicher Mittelpunkt war „Spider-Man schlägt zurück“, eben vorliegendes Werk. Diesmal zieht der Spinnen-Mensch gegen Atom-Terroristen zu Felde. Atom-Terroristen? Ja, Atom-Terroristen. Natürlich gab das Budget einer (eigentlichen) Fernsehserie nicht viel her. Für Sandman, Mysterio, Green Goblin gabs kein Geld – deswegen müssen alltägliche Kriminelle herhalten, ausgeschmückt mit erschreckenden Werkzeugen! Hier: Atombombe. Selbstgebaut. Von Studenten.
Peter Parker, junger Student (obwohl schon sichtlich an der 30 dran), muss mit Schrecken feststellen, dass sein Physik-Prof. 5 kg Plutonium im Keller lagern hat. Seine Empörung wird von seinen Komilitonen geteilt – aber der Prof. versichert den angehenden Akademikern, dass niemand es schaffen könnte, aus den 5 kg Plutonium eine Atombombe zu bauen. Empört von der Naivität des Professors und angepspornt durch den verblassenden Demo-Ruf einer vergangenen Studenten-Generation, klauen drei Fietze das Plutonium und bauen damit in ihrer Ikea-WG (das durchaus als hochwertiges Hotel-Zimmer durchgehen könnte) eine…*trommelwirbel*…ATOMBOMBE! TADA! Natürlich sind sich die jungen Spontis deren Zerstörungskraft bewußt, deswegen haben sie anstatt Plastiksprengstoff nur Knete benutzt – doch nachdem die Dame im Bunde sich selber beim Bau radioaktiv verseucht (komisch, dabei stand doch auf den weißen Kanister in roten Lettern: „Danger! Radioactive!“) und ein Ricardo-Montalban-Imitat davon Wind bekommen hat, stiehlt dieser die Atombombe und fordert 1 MILLIARDE US-DOLLAR! Sonst fliegt Los Angeles in die Luft (und der Präsident). Wenn dies kein Fall für Spider-Man, den Spinnenmenschen, ist, dann weiß ich auch nicht…
Spider-Man ist natürlich, nur zur allgemeinen Information, kein einfachr Spund, der sich ein Spandex-Kostüm überzieht. Nein, seine Fähigkeiten bestehen darin an Wänden entlang zu kraxeln und riesige Spinnennetze zu weben. Laut Film kann er „einen ganz bestimmten Klebstoff produzieren, der ihm erlaubt, all diese Dinge zu tun.“ Laut eigener Sehkraft, sieht das mehr wie gespannte Seemansseile aus, aber solange es hilft für Ruhe und Ordnung zu sorgen, lassen wir das mal durchgehen. Natürlich besitz er auch seinen perühmten (mit „p“!) sechsten Sinn – den Sinn für Gefahr! Dieser macht sich wie folgt bemerkbar…
Und Gefahr droht hier hinter jeder Ecke. Deswegen wird flux das Rot-Blaue angezogen und der Spinnenmensch macht sich auf Los Angeles zu retten. Doch seine Gegner sind keine Lizards, keine Doktoren Octopi oder gar Carnages – nein, sie sind richtig fiese Klopper…und können Karate. Anstatt spektakulärer Zweikämpfe in den Großstadtschluchten New Yorks, kloppt man sich hier von einem Hochdausdach bis runter in eine verlassene Western-Stadt.
Dazwischen reingeknüppelt eine kleine Flirt-Story (Love wäre zuviel des Guten), mit einer doch SEHR ansehnlichen jungen Reporterin (Anspieltipp: rasante Bikini-Szene ohne rasierte Bikini-Zone, 70er eben), die sich von Peter Parker ein Interview mit Spider-Man verspricht und nebenbei in einen Strudel aus „Peng!“ und „Boom!“ gerät.
Es dürfte klar sein, dass Peter Parker und sein Alter Ego Spider-Man nicht nur den Tag rettet, sondern die Reporterin umgarnt und seinen Chef J. Jonah Jameson beeindruckt. Eine Beförderung gibts nicht, dafür aber ein (Liebes-)Wochenende in Jamisons Ferienwohnung.
„Spider-Man schlägt zurück“ hat mit der eigentlichen Comic-Reihe nicht mehr viel gemein. Peter Parker ist hier ein Langzeit-Student ohne Tante May, ohne Mary-Jane und ohne Superschurken. Dafür trägt er immer denselben beige-farbenen Anzug (mit Flicken! Anscheinend studiert er anstatt Physik wohl eher Soziologie) und einem Scheitel mit dem Mann Kinder erschrecken gehen kann. Dennoch muss man zweifelsohne sagen, dass „Spider-Man schlägt zurück“ für eine 70er-TV-Serie auf verdammt hohen Niveau gedreht wurde und auch noch heute zu unterhalten weiß. Dachte ich zuerst einen Knaller wie etwa „Captain America 2“ oder „Fantastic Four“ in den Händen zu halten, so wurde ich dahingegen enttäuscht. Eigentlich hatte ich dieses Baby weitaus trashiger in Erinnerung, doch die Serie, bzw. die (zusammengeschnittene) Film-Trilogie, verfügt über einen fantastischen Score, gut geschriebene Drehbücher und überraschend solide Actionszenen. NATÜRLICH unterliegt dies allem einen Mangel an Budget und SFX-Kunst, gepaart mit dem ein oder anderen 70er-Fauxpas, aber als Kind haben mich diese Filme vollkommen umgehauen. Als (körperlich) Erwachsener tun sie es immer noch und so kann man beruhigt beim Betrachten in Nostalgie-Butter schwimmen…
Fatality:
Man kann „Spider-Man schlägt zurück“ in die Tonne kloppen – wenn man ihn mit Genreklassikern wie Richard Donners „Superman – Der Film“ oder Tim Burtons „Batman“ vergleicht. Den Quatsch machen wir natürlich nicht. Also, lasst euch von diesem Stück 70er-TV-Nostalgie einfach überrollen – denn Spider-Man und Karate ist schon verdammt geil…
Krypton McKracken











































