Als wagemutiger Trashfilm-Rezensent habe ich mich mit meiner VideoRaider-Gilde durch unzählige Quests schlagen müssen. Wir standen den „Beast Creatures“ entgegen, spielten mit den „Demonic Toys“ und stürzten uns in „Die Grube des Grauens“. Ich weiß nicht, wieviel Gold und Ehre ich in dieser Zeit gefarmt habe, aber es muss genug gewesen sein, um das „Killer-Alien“ bezwingen zu können – aber dies sei als Warnung vorausgeschickt, wessen Erfahrungslevel auf -10 steht, der darf sich keinesfalls an dieses Werk wagen, da er sonst nach spätestens zehn Minuten gegeekt wird…
New York City – Soddom und Gomorrha der 80er. Dampfende Gullideckel, dunkle Seitengassen, verschmutze Gehwege. Graffiti läuft an der Hauswand runter, Leuchtreklame blinkt an den Sexshops auf, die Titelblätter alter Tageszeitungen wehen über die Straße. Zwischen Neon-Pop und Obdachlosenheimen werden junge, hübsche Mädels mit Dauerwelle und Tiger-Mini in düstere Hauseingänge gezogen und reihenweise von einem Vergewaltiger misshandelt.
Die Polizei tappt im Dunkeln, denn alle Frauen geben an, dass sie von einer anderen Person, teils mit unterschiedlichen Alter und sogar Geschlecht, vergewaltigt wurden sind. Doch die DNA des Täters ist jeweils identisch. Auch das Tatort-Schema weist keine Übereinstimmungen auf. Ob im Treppenhaus, unter der Dusche oder im hauseigenen Fitnessstudio – in schrillen Tönen gröhlen die weiblichen Opfer in die Kamera…
Nur der Zuschauer weiß natürlich wieder mehr. Nach und nach offenbart der Schurke sich dem Publikum. Doch was ist er? Die Silhouette eines unglaublichen-dicken Schädels schleicht auf die Opfer zu…und die patschige Pranke krallt nach weiblicher Haut…
Könnte es ein Alien sein? Der deutsche Video-Titel sagt JA! Die Polizei ermittelt noch. Währenddessen fangen Menschen an zu PLATZEN. Das fiese Alien nistet sich nämlich in Menschen ein, um so Zugang zu seinen Opfern zu finden. Dies macht auch durchaus Sinn,…
…denn nachdem man den außerirdischen Sexualstraftäter in seiner eigentlichen Form gesehen hat, dann weiß man, dass er wohl keine Chance hat, sich irgendetwas oder irgendwem unbehellicht zu nähern.
Indes auf der Polizeistation finden die beiden Chef-Ermittler Gamble Pace und Dale Andriotti heraus, dass der Vergewaltiger immer eine bestimmte Spur hinterlässt – nämlich ZIEGELSTAUB, der von einem „ganz bestimmten Ziegel stammt, der vor hundert Jahren für die Fundamente von Manhattan verwendet wurde!“ Der Forensik-Meister Ira, verantwortlich für die Spurensuche, ist sich sicher: „Was uns auch immer hier bedroht – es kommt aus den Tiefen dieser Stadt!“
Zum Glück gab’s bereits 1986 Computer und so spuckt der Rechner schnell mehrere Orte aus, an dem die Ziegel verwendet wurden. Als ob das noch nicht genug wäre, marschieren auf einmal alle Vergewaltigungsopfer nackt in Trance Richtung Empire State Building! Der Fall ist klar…der Vergewaltiger (respektive das Killer-Alien) gammelt unter den Fundamenten des Empire State Buildings herum. Schwupps machen sich Gamble und Dale auf, um der Sache nachzugehen und trauen ihren Augen nicht: die Opfer suhlen sich gemeinsam in einem Bad aus Eiter und Schleim. Dazu aus dem Off: merkwürdige Stöhn-Geräusche.
Doch bevor Gamble und Dale überhaupt verstehen können, was hier vorsichgeht, steigt Ira, der Forensiker von vorhin, in die Geschichte ein. Auch er ist vom Alien besessen und wie es sich für einen richtigen Filmschurken gehört, MUSS er die Pläne des außerirdischen Killers offenbaren – oder fühlt sich zumindest dazu berufen.
Dale: „Gamble, es ist unglaublich! Es ist eine außerirdische Lebensform, die auf unseren Planeten gedriftet ist – als Spore! Es reproduziert sich selbst in der gesamten Galaxis nach irgendwelchen periodischen Gesetzen. Ich kann es noch nicht erklären, aber es kann jede Form annehmen, um seine Ziele zu verwirklichen. Sie sahen die tote Frau dahinten im Dschungel? Sie war ein Experiment das missglückte. Sie war infiziert. So wußte es, das es Frauen benutzen musste, die sauber waren. Unberührt waren. Von allem. [...] Sie sind Jungfrau, nicht wahr, Gamble? Eine Jungfrau…es braucht Jungfrauen, um sich zu reproduzieren! Ich fürchte es braucht sie. Diese Frau, diese Pennerin, sie brachte Nachwuchs. Doch der war für ihn unanehmbar. Er kann sich nicht reproduzieren. Er kann nur töten. Sehen sie.“
Lange Rede, kurzer Sinn: Alien braucht Jungfrauen, um sich zu vermehren. Wenn es keine Jungfrau ist, haben wir folgendens Ergebnis:
Ein kruder Mensch/Alien-Hybrid. Zu nichts zu gebrauchen (außer für Auftragsmorde). Dale REIßT IHM AUCH SOFORT DEN KOPP AB – doch damit ist das Problem nicht gelöst – denn: Plot-Twist! Ira himself ist das Alien – oder zumindest dient sein Körper ihm als Versteck. Und da das Alien scharf auf Gamble ist, platzt es auch sogleich hervor. Platsch.
Jetzt muss gehandelt werden. Dale greift zur Dienstwaffe, doch der außerirdische Klopper ist gegen Kugeln immun! Zum Glück liegt Holz rum und so wird das Viech einfach vermöbelt – und angezündet. Die Damen im Eiter-Becken werden sogleich mit Starkstrom in die Hölle gejagt, da sie nach Iras Aussage spätestens in 48 Stunden eine neue Alien-Brut rauskloppen…
Prust. „Killer-Alien“ gehört zu der ganz harten Sorte an Trash-Filmen, die man, so glaube ich, nur verkraften kann, wenn man im trashfilm-kucken geübt ist und dieser Art Film etwas abgewinnen kann. Hier gibt’s keine Wabbel-Monster à la „Troll 2“ oder kybernetische Kampfkolosse wie in „American Cyborg“, nein, das hier ist wirklich knallharter, gnadenloser Übertrash, der auf alles Wert legt, was Trash auszeichnet: Weiber und Gedärm. Ungefähr alle 4 Minuten wackelt ein Popöchen über den Bildschirm (Regisseur Tim Kincaid ist heute übrigens Porno-Produzent). Dann kommt das Alien selber angewackelt und die rote Soße macht sich breit. Dazu unscharfe Aufnahmen und schrille Schreie. Durch den Sub-Plot prügeln sich zwei Statisten. Mit dramatischen Aufbau wird keine Zeit verschwendet. Nach bereits 76 Minuten (inklusive Vor- und Abspann) ist der Quest vorbei. Wer’s überlebt hat, bekommt + 1000 Gold.
Fatality:
Wer in Sachen Trash nicht kampferprobt ist, der wird nach 10 Minuten bereits wieder abstellen. Das garantiere ich. „Killer-Alien“ ist Hardcore-Trash. Ohne Rücksicht auf Verluste. Aber was hätte man auch anderes von Tim Kincaid, dem Regisseur von „Mutant Hunt – Die Killerroboter sind los!“, erwarten sollen? Gott lobe seinen Namen. 4 Köppe.
P.S.: Eine weitere Fassung von dem Streifen befindet sich auf dem Markt. Titel: „Nemesis – Die Brut des Grauens“. Irgendein Wahnsinniger hat es doch tatsächlich geschafft die Schere anzusetzen und den Streifen auf 65 Minuten herunterzukürzen.
Krypton McKracken
















































