Schiessen mit der MP aus der Hüfte! Geheime Nazilabore in roten Bahnwaggons! Résistance mit Baskenmütze! Explodierende Fässer! Massenweise Statisten! Überall Hakenkreuze! Und: Ein Haufen Gauner an der Front! Wo gibt es all dies? Natürlich in so ziemlich jedem Kriegsfilm der 60er und 70er, aber vor allem bei „The Inglorious Bastards“ – einem echten Rennpferd unter den billigen Weltkriegs-Actionern!
„Ein Haufen verwegener Hunde“ betitelte der deutsche Verleih diesen 1978 auf die Menscheit losgelassenen Special-Forces-Schmontz, gegen den „Stosstrupp Gold“ oder „Steiner – Das eiserne Kreuz“ wie Dokumentationen wirken. Getreu dem Motto: Weniger Hirn und Geschichte, dafür mehr Explosionen, hochfliegende Statisten, Platzpatronen und Hakenkreuzfahnen. So wirbeln uns hier nicht nur reihenweise – gepflegte – Stereotypen, sondern auch altbekannte Handlungsmuster entgegen.
Eine Strafexpedition der US-Army an der Westfront 1944: Der coole Pilot, der hitzköpfiger Redneckgangster, der verschlagene Trickdieb, der Bastler und der starke dumme Thug mit Zigarre sollen in Ketten gelegt und abtransportiert werden. Natürlich klauen sie gleich Golduhren, entfliehen, schiessen die Militärpolizei nieder und machen sich auf zu einer waghalsigen Odyssee die Front herunter. Ihr Ziel ist die rettende Schweiz, die ja dafür bekannt war, kriminelle Soldaten aufzunehmen. Schwachsinn, aber wir lieben es. Denn: SOFORT kommen Stukas vom Himmel gestürzt, explodieren Laster, fliegen Statisten in deutschem Mausgrau hoch (ich glaube, das soll Treffer durch Kugelfeuer symbolisieren) und knattern die Thompsons. Super.
Getreu dieser Linie geht der Film dann weiter. Während einer Pause in einer verlassenen Scheune finden unsere GI-Gauner einen deutschen Deserteur, den sie nicht erschiessen – denn es ist Raimund Harmstorf, der Seewolf. Der kommt mit und spielt ab jetzt den bärtigen Ubersoldier. Knorke. Leider wird die Reise der kriminellen Kampfkolosse unterbrochen, als nach dem 238ten Feuergefecht mit Statisten die Handlung ausgeht und die RÉSISTANCE ankommt. Mit Baskenmützen. Vorher noch diese Szene: Die flüchtigen Soldaten gelangen an einen Fluss. Dort schwimmen – mitten im Kampfverlauf – nackte junge Frauen. Die vagabundierenden Halunken springen zu den nackten Frauen (1944, im Kampfgebiet) und die freuen sich. Tolles Frauenbild: Dumm, nackt, an der Front. Kopf -> Tisch. Als dann der dicke Muskelbomber der Truppe ankommt, werden die Front-Furien aber garstig und ziehe hinter den Felsen am Fluss Mauser-MPs vor und jagen die Amis weg – scheinbar gefiel ihnen die Hautfarbe des Muskelmannes nicht. Zum Glück tauchen diese seltsamen Damen nie wieder im Film auf.
Zurück zur Résistance. Die stellt brennende Mülltonnen als Flugfeldbeleuchtung auf und ein US-General fällt vom Himmel. Huuuuiiiii. Der kennt die Gauner natürlich und gibt ihnen eine Chance: Wenn sie die tödliche Uberrakete in dem tödlichen Nazilabor im tödlichen Uberzug sabotieren, blüht ihnen Ruhm und Ehre. Da sagen die Schläger nicht nein und ab geht’s nach Train Wolfenstein zu gewohnt hohler Kommandokost aus dem B-Studio.
Fatality:
„The Inglorious Bastards“ ist ein knalliger B-Movie in der Tradition bester Kriegs-Actioner. Ich zitiere die Tagline: „Whatever the Dirty Dozen did they do it dirtier!“ Da weiss man woher der Wind weht. Hier wird nicht gefaselt, sondern Alles und Jeder mit einer ungezielten Salve aus der MP durch die Luft geschleudert. Ich liebe diesen herrlich unlogischen und altbackenen Film, der zwar nichts mit der Realität zu tun hat und jeglicher sinnvoller Story entbehrt, dafür aber exzellent unterhält. Ein bunter Fanfarenzug aus Rauch, Feuer, Kulisse und zweiter Garde – exzellent. Scheinbar nicht ohne Grund wird der Film als Provo-Streifen von Tarantino wieder aus der Mottenkiste gekramt. Mir egal, das Original hat es in sich. Papa Bär over, der Adler ist im Nest.
Hellhaim






































