Als Warnung vorweg: um den Film „Die Brut des Bösen“ ohne etwaige Hirnschäden zu überstehen, muss man sich im Minutentakt den Schädel bis zur Bewußtlosigkeit einschlagen. Dies kann im schlimmsten Fall zwar auch Hirnschäden nach sich ziehen – allerdings dürften diese weitaus geringer ausfallen, als den kompletten Streifen bei vollem Bewußtsein zu verfolgen.
Solltet ihr dies getan haben, dann wird es zwar etwas länger dauern, den gesamten Film zu begutachten (da man das Überlebenskit ja immerhin jede Minute anwenden muss), aber immerhin gehört ihr dann zum kleinen, auserkorenen Kreis derjenigen, die „Die Brut des Bösen“ mit ihren eigenen Augen gesehen haben. Denn bei der nötigen Recherche, mit journalistischer Sorgfalt betrieben (*hust, hust*), fiel mir auf, dass Christian Anders’ Meisterwerk relativ unbekannt zu sein scheint. Weder die einschlägigen Trashfilm-Seiten (ob inter- oder nur national), noch eine größere Anzahl an Filmfans scheint diesen Hirnschmelzer gesehen zu haben. Ob es daran liegt, dass der Streifen lediglich einmal als Verleih-VHS veröffentlicht wurde, mag ich nicht zu sagen. Aber es ist jedem geraten, sich „Die Brut des Bösen“ vorzuknöpfen.
Frank Mertens, Karateka mit Herz und Hirn (obwohl…letzteres ist debattierbar). In Andenken seines großen Meisters Takimura leitet er unter seinem Namen in Madrid eine selbsternannte Karate Academy. Ziel: die Weisheiten des Fernen Ostens in alle Welt zu verbreiten. Der Lohn: Respekt seiner Schüler, die verliebten Augen seiner Sekretärin – und der Hass des Rauschgifthändlers Van Bullock!
Denn Van Bullock, groß wie eine Biertonne, will direkt gegenüber von Mertens’ Karate-Academy eine eigene Karateschule eröffnen („In diesem Haus werde ich eine moderne Kampfschule einrichten. Die größte Karateschule, die es je gegeben hat! Ich werde die besten Lehrer der Welt engagieren. Egal was es kostet!“). Da er Konkurrenz generell nicht duldet, hetzt er seine Schläger auf Mertens. Diese sind zwar in der Kampfkunst des Drunken Boxings ausgebildet, gegen Mertens’ stahlharte Fäuste haben sie aber keinerlei Chance.
Natürlich besitzt Van Bullock eine rechte Hand – den bulligen Komo. Dieser ist für das richtig Grobe zuständig, die Ermordung Mertens’! Und auf den Gebiet Mord und Totschlag ist sein Erfahrungslevel bereits bei +20. Denn was der Zuschauer dank schwammiger Rückblende weiß und Mertens eben nicht, ist, dass Komo bereits für die Ermordung seines Lehrmeisters Takimura verantwortlich war („Ja, ich habe ihn getötet. Es war ziemlich leicht. Ich werde es dir im Kampf erklären. Los, greif’ mich an!“). Dieser leitete einst in Tokio eine Karateschule. Als Van Bullock dort Drogen verkaufte, ließ Takimura ihn auffliegen. Bullock ging neun Jahre ins Gefängnis, Takimura letztlich ins Grab.
Aber auch Komo kann gegen Mertens nichts ausrichten. Nachdem Van Bullock zur glorreichen Erkenntnis gekommen ist, dass seine Schlägertruppe, bestehend aus fünf Jogginganzügen und zwei Bierbäuchen, gegen die Kraft des Karates machtlos ist, greift er zu seiner Geheimwaffe zurück: Cora Ramada, die liebreizende Cora. Sie soll Mertens schwach machen und in einem unbeobachten Moment einen Beutel Kokain in seine Karateschule schmuggeln. Dann wird die Polizei gerufen, die Drogen gefunden und Mertens wandert hinter Gittern. So der Plan.
Doch Cora verliebt sich in Mertens, zwar landet er denoch im Gefängnis, aber Van Bullock ist außer sich vor Wut. Er mag den Kampf gegen Mertens gewonnen, doch Coras Herz verloren haben. Cora, geplagt von Schuldgefühlen, pumpt sich mit Heroin voll und berichtet Mertens’ Sekretärin, ebenfalls in ihn verliebt, von Bullocks Plan. Bullock bekommt dies mit und ersticht Cora mit einer Schere – aus Affekt, denn nachdem Bullocks Stichwunden sie bereits nach drei Sekunden ins Jenseits befördert haben, versinkt er weinend neben ihr. Anstatt sich aber einsam in die Wälder Spaniens zurückzuziehen, macht er das, was richtige Gangsterbosse eben so tun. Champagner auf Weiber-Ärsche auskippen – während ihre Handlanger zuschauen dürfen!
Indes befreit sich Mertens mit ein paar gekonnten Handkantenschläge aus den Fängen der Justiz. Da seine Unschuld noch nicht bewiesen ist, wird er von der Polizei gejagt. Doch die Bullerei interessiert ihn nicht. Er will nur noch eines: Rache an Van Bullock und Komo, die Mörder seines Meisters. Mit freiem Oberkörper kommt es im Forst zum finalen Showdown…
Ich bin mir nicht so recht sicher, was die Macher des Films (sprich: Christian Anders) sich dabei gedacht haben. Die Story bewegt sich um vier, fünf Settings herum und wärmt dabei lediglich allerhand Klischees auf. Dies tut der Streifen allerdings so gut, dass man denkt eine Parodie des 70er-Action-Bahnhofskino zu schauen. Kein einzelner Charakter kann überzeugen. Alle ähneln mehr wie eine Karikatur filmischer Stereotypen…
Sei es Komo, der fiese Schläger und die rechte Hand des Boss’, mit der Synchronstimme von Bud Spencer oder der (nicht-so-)Big-Boss himself: Van Bullock. Schmieriger Gangster, der nur an seine Geschäfte denkt…
Nicht zu vergessen Cora Ramada, die verruchte Nutte – Opfer des Lauf des Lebens, auf der Seite der Bösen, doch mit einem Fünkchen Anstand und Gerechtigkeit im Herzen. Und natürlich Frank Mertens, der aufrechte Held der Geschichte. Selbstlos, stark, ehrlich. Ein Idealist mit schwarzem Gürtel und vollem Haar.
Dieser Streifen strotzt nur so vor Unglaublichkeiten, die man nicht beschreiben kann. Nicht einmal annähernd kann das geschriebene Wort das Gesehene erfassen. Ob Van Bullocks Hasstiraden, Komos schräges Grinsen, Coras Selbstmordversuche, die x-fach gesampelten Kampfgeräusche, einfach nur Christian Anders selbst, nicht zu vergessen der fantastische Soundtrack („A loser is a man who doesn’t understand that violence is the brother of death!“) oder die Schlägertrupps im Jogginganzug – in diesem Streifen gibt es in JEDER Minute mindestens eine Sache, die das Potenzial hat, den Zuschauer zum explodieren zu bringen. Gnadenlos. Ohne Rücksicht auf Verluste. Unerklärbar. Hier stoße ich vollkommen an meine Grenzen. Woran dies alles liegt? Och, ich hätt’ da so ’ne Idee…
Fatality:
Unglaublich. Einfach nur unglaublich. Die vergessene Perle unter ALLEN Trash-Actionern. Fünf Schädel für eine der wildesten Trash-Achterbahnen, die ich in den letzten Jahren gefahren bin. Christian Anders = Gott.
PS: Wer sich weiter mit dem Film beschäftigen möchte, dem empfehle ich den Besuch des Schreins…
Krypton McKracken


















































