1984 durchstreifte Charles Band den Besenschrank seines berühmt-berüchtigten Produktionsstudios Full Moon Pictures (Kenner mögen erschaudern!) und fand unzählige Gummi-Masken und Papp-Kulissen in der hintersten Ecke rumliegen. Als findiger Geschäftsmann wußte er, dass diese noch zu etwas zu gebrauchen waren – also karrte er sieben seiner hauseigenen Regie- und Drehbuch-Sklaven ans Set und befahl ihnen daraus einen Film zu schustern. Ein Schuh wurde drauß – und zwar ein überdimensional-großer Trash-Latschen namens…
Ja, ganz richtig gelesen: Dieser Film wurde von sieben Regisseuren und Drehbuchautoren (!) inszeniert, für jeden der kleinen Episoden im Film jeweils einer. Mit dabei sind wahre Schlachtrösser des B-Films: Charles Band himself („Trancers“ und namhafter Producer von mehr als 240 B-Knallern), John Carl Buechler („Troll“, „Ghoulies“), Peter Manoogian („Demonic Toys“, „Arena – Todesmatch der Giganten“) oder auch Dave Allen („Puppet Master 2 – Die Rückkehr“). Also ein hochkarätiges Regie- und Writer-LineUp, das sich unter die Fuchtel von Full Moon Pictures vereinigte. Diese eigentlich ganz interessant klingende Idee wurde dabei allerdings auch ganz im Geist der VHS-Schnellschusswelle produziert. Wir haben es hier mit einem knüppeldicken 80ies-Trash-Kult zu tun, der von farbigen Bodennebel, über billige Lasereffekte bis hin zu augenfeindlichen Kostümierungen reicht. Auch riecht.
Zur Story. Ohne einen triftigen Grund wird der amerikanische Computer-”spezialist” (*hust, hust*) Paul beim Sex mit seiner Aerobic-Freundin Gwen von finsteren Mestema, eine Art Hybrid aus bösem Zauberer (Pardon, Hexenmeister!) und Geisterbahn-Maskottchen aus den Tiefen des Alls oder der Hölle (oder Braunschweig-Weststadt), gekidnappt. Seine Freundin hängt von nun an gefesselt an ’nem Felsklotz herum, während der junge Held in blauen Starlight-Express-Memorial-Dress einen Supercomputer namens X-Calibr8 verpaßt kriegt und sieben Prüfungen des Zauberers/Hexenmeisters/Geisterbahn-Maskottchens bestehen soll.
Bereits die erste Prüfung strotzt vor Schwachsinn. In einer Eishöhle stehen einige gefrorene (!) Persönlichkeiten der Weltgeschichte herum, sowie nicht minder bekannte Fabelwesen. Ein Samurai, ein Zulu-Krieger, ein Werwolf, ein Henker, Louis XIV., Albert Einstein und Jack the Ripper. Diese tauen dank Rotlicht_Lampe auf, poltern relativ besinnungslos vor der Kameralinse herum, Einstein gibt dem Held einen weißen Kristall, dieser wirft den Kristall auf den Boden, Laserstrahlen zischen herum und die Prüfung ist bestanden. Mit ungefähr dem selben Spannungslevel geht der Film weiter. Und die Effekte bleiben dabei stets fehl am Platz und/oder schlecht. Es gibt sogar einen riesigen Golem in Stop-Motion zu sehen. Kann Laserblitze aus seiner Stirne schießen. Gott weiß warum. Höhepunkt der Monster-Orgie stellt allerdings der Gnubbel-Dämon Raspit dar, der unseren Helden mit halbvergammelten Rittern konfrontiert.
Und nicht zu vergessen ist der wirklich schockierende, satanische, ultra-rockige und mega-gefährliche Gastauftritt der Glam-Schocker W.A.S.P.! Die wurden hier nämlich mal schnell eingewechselt, um die Freundin unseres Computerhelden auf der Bühne eines Steakrestaurants (was anderes kann das echt nicht sein) mit einer Machete zu opfern. Natürlich tragen alle Spandex und Nieten. Satanisch – in etwa so wie Mestemas Höllentrip.
Dankenswerterweise besitzt Paul ja den X-Calibr8 (schreibt sich so…), sein Computer-Armband, dass ihn nicht nur hilfreiche Tipps im Kampf gegen Steinmonster („Die mystische Kraft hat ein Röntenauge!“) oder beim Betreten von rot-ausgeleuchteten Höhlen („Warnung! Thermo-nukleare Strahlung! Strahlenreflexion-Programm bereit.“) gibt, sondern auch noch Laserstrahlen abschießen kann – mit denen hier jedes noch so wabbelige Gummi-Monster vernichtet wird.
Nebenbei wird dabei auch noch der Verstand des Zuschauers abgeschossen. Praktisch.
„The Dungeonmaster“ (dank deutscher Titel-Konstruktion auch „Herrscher der Hölle“) gehört zu den seltsamsten, freakigsten, originellsten und trashigsten Streifen, die man in ein Video-Home-System schieben kann. Word.
Für Fans der 80er-Jahre-Billig-Science-Fiction ist der Film heiß, alle anderen können nebenbei locker 10 Bier zerdreschen.
Ach, ja: W.A.S.P. rules!
Aerobic: 1%
Gummi-Monster: 89%
Laserstrahlen: 2%
W.A.S.P.: 100%
P.S.: 1987 erschien eine Quasi-Fortsetzung unter dem Titel „Pulse Pounders“ – ebenfalls von Charles Band. Ein Episoden-Film, der nie beendet wurde. 2011 soll die Epsiode, die als direkte Fortsetzung zu „Herrscher der Hölle“ diente, im Netz veröffentlicht werden. Gott hilf.
Hellhaim
















































