Die Eastside von Chicago in den 1980ern: ein einziger Hort des Verbrechens. Einstige Industrieanlagen verkommen zu Graffiti-beschmierten Straßengang-Quartieren. Obdachlose wärmen sich an brennenden Mülltonnen. Jugendbanden terrorisieren die örtlichen Tante-Emma-Läden. Doch die Rettung naht in Form eines muskelbepackten Irokesenschnitts…
Bruise Brubaker ist ein Multitalent. Kann er nicht nur rappen (und eröffnet den Film mit seiner herb-männlichen Stimme) und Gesindel verkloppen, sondern auch für das Wohl seiner Community einstehen. Tagsüber holt er jugendliche Diebe und Streuner von der Straße und bringt ihnen auf dem städtischen Basketball-Feld als Gemeinschaft Werte wie Ehrlichkeit und Ehrgeiz bei, nachts sorgt er in einem Lapdance-Club als Türsteher für Ruhe und Ordnung. Und wer nun denkt, dass dies widersprüchlich sei, da er immerhin aktiv ein Etablissement unterstützt, das junge Damen zu Sexobjekten degradiert, der kennt Bruise nicht. Der Mann ist ein wandelnder Widerspruch und dieses Etablissement wird immerhin von einer freundlichen, aber resuluten alten Dame geführt, dessen Sohn seine Tätigkeit als Jugend-Trainer unterstützt. Somit irgendwie moralisch in Ordnung. Zumindest in dieser Filmwelt, in der nichts einer inneren Logik folgt.
Und wenn er mal keine Jugendlichen von der Straße holt, darf er auch geflissendlich als größter Charmeur jenseits des Potomacs bezeichnet werden. Seine einfühlsame Art und Weise lässt jedes Frauenherz dahinschmelzen…
Bruise Brubaker: „Gutaussehender Typ.“
Leslie: „Das war mein Mann. Er starb in Vietnam.“
Bruise Brubaker: „Oh, war nicht gerade die beste Adresse.“
Man könnte nun also sagen, für jemanden der nicht lesen und schreiben kann – und dies ist Film-Kanon – hat er das beste aus seinem Leben gemacht. Aber natürlich wäre der Streifen bereits hier beendet, wenn er sich jetzt locker zurücklehnen würde. Also muss ein Problem her, dieses fanden die Drehbuchautoren in Billy, perspektivloser Wannabe-Gangster mit Klappmesser und Baskenmütze. Nachdem er einen Kassettenrecorder aus einem Elektrogeschäft geklaut hat, wird er von Mr.T aufgegriffen und auf dem lokalen Basketballplatz verschleppt. Wo nur die coolsten Kids abhängen.
Es kommt, was kommen muss: Billy besitzt ein Talent, dass Mr.T nicht besitzt. Er kann rechnen. Und hat gute Ideen. So schlägt er ein Sportfest vor, das unter dem Aufhänger „Der stärkste Mann der Welt“, eben diesen ermitteln soll. Alle Einnahmen werden für einen guten Zweck gespendet – nämlich Mr. Ts Jugendzentrum. Jetzt kommt aber der Haken an der Sache: Billy wird noch immer von einem finsteren Mafia-Boss belagert. Für den soll er den Wettkampf schmieren und Mr.T wettbewerbsunfähig machen – denn mittlerweile ist bereits das nationale Fernsehen auf den Wettkampf aufmerksam geworden und die Wettgelder schnellen in die Höhe.
Doch ein T gibt nicht auf – nach einer wilden Trainingsmontage und einem versöhnlichen Gespräch mit Billy (der seinen Irrtum eingesehen hat), stellt er sich seinen Gegnern, um zum stärksten Mann der Welt gekürt zu werden.
Doch bei diesem Wettkampf gewinnt man die Trophäe natürlich nicht nur durch Posen. Man muss Leistung erbringen. An seine Grenzen gehen und das Unmögliche schaffen. Wie z.B. eine Wand hochklettern – Mr. Ts Achilles-Ferse. Im Training hat er an dieser finalen Diszlipin immer versagt – und seine Gegner haben die Hürde fast schon überwunden. Ist dies das Ende aller Träume? Das Ende vom Titel, das Ende für das Jugendzentrum?
Natürlich nicht. Ein Mr. T weiß sich zu helfen. Wenn die Regeln ihn dazu zwingen, diese unmenschliche Hürde zu überwinden, dann stellt er einfach eigene Regeln auf. Mr. T hat sich nicht der Welt anzupassen, sondern die Welt Mr. T. Also tut er das einzig vernünftige – und rennt mit Schallgeschwindigkeit durch die Hürde durch! Als Erster im Ziel ist er somit nicht nur der stärkste Mann der Welt, sondern auch der Heilsbringer für die Jugend Chicagos.
Fragt sich bloß, ob es wirklich im Sinne der Jugend ist, dass er den Sieg durch Betrug davongetragen hat…aber soweit denkt hier eh keiner.
Das Mr. T in den 80er Jahre besonders unter Kids eine große Nummer gewesen ist, braucht bei der hiesigen Leserschaft (hoffentlich) nicht mehr groß erwähnt werden. Neben seiner Rolle als B.A. Barracus im ewig göttlichen „A-Team“, engagierte er sich während seiner ganzen Karriere für wohltätige Zwecke. Das Ziel: die Kinder von der Straße zu peitschen. Unter dem Motto „I pity the fool!“ motivierte er – ob erfolgreich oder nicht – über die Medien eine ganze Generation an Kids. Ob die Message angekommen ist, sei mal dahingestellt. Aber seine simple Lebensbotschaft reichte zumindest aus, um darauf basierend eine ganze Reihe an medialen Produkten abzustoßen. Von Zeichentrickserien, an dessen Ende Mr. T den Kids seine Weisheiten preisgab, über Rap-Alben (legendär der Song „Treat your Mother right“ – mit fabelhaften Lyrics wie etwas „Mother – there is no other – like mother – so treat her right!“) bis hinzu eigenen Videospielen. Mr. T war eine Institution. Er spielte nie eine Rolle, er spielte gewissermaßen sich selber.
Und dies hält bis zum heutigen Tage an – auch wenn dieser Werbe-Trailer mittlerweile inflationär gebräuchlich ist, er ist einfach zu gut.
Von daher wundert es auch nicht, dass Mr. T hier eben das tut, was er eigentlich immer tut. Er spielt den Motivationstrainer, der sich um junge Menschen kümmert und diese von der Straße holen will. Dabei stolpert Mr. Ts Rolle allerdings über haufenweise Klischees und teils sehr absurde Subplots. Alleine seine Figur scheint ein Klischee-Abziehbild unterschiedlicher Charaktere zu sein. Er ist auf der einen Seite Leiter eines Jugendzentrums, aber auch Rausschmeißer in einem anzüglichen Nachtclub. Er hat in Vietnam für die US of A gekämpft, kann aber nicht einmal lesen und schreiben. Er ruft zu Fairness und Respekt auf und setzt sich hierbei über die Regeln des Wettkampfs. Klar, er darf das. Er ist Mr. T – und Mr. T ist immer im Recht. Von daher darf/soll/muss/kann an seiner Figur nie gezweifelt werden. Er ist tumb, aber nicht faul, er ist ein einfach gestrikter Mensch, aber pfiffig. Wenn etwas nicht funktioniert, wird ein weiterer Charkaterzug aus dem Ärmel gezaubert, so dass seine Rolle niemals wirklich bedroht wird. Im Grunde stellt er einen gewissen Großstadt-Forrest-Gump der Reagan-Ära dar. Er kann nichts, erreicht aber alles. Nun gut, oder sagen wir es so: die simple Handlung erlaubt seinem Charakter alles zu erreichen. Denn diese befindet sich wirklich nur auf dem Niveau der bereits erwähnten Zeichentrickserie „Mister T“ von 1983. Gut möglich, dass diese gar als Vorlage diente. Mehr als eine Cartoon-Folge gibt der Film inhaltlich nicht her. Aber das ist im Grunde auch vollkommen egal…kein Mensch kann Mr. Ts einfache Welt der Probleme nicht gut finden. Und schon gar nicht seine Lösungsansätze…
Bürokrat: „Mister Brubaker, es tut mir leid, aber der Bürgermeister kann sie leider nicht empfangen. Aber er schlägt vor, dass sie es in der Verwaltung für Sozial-Service versuchen.“
Bruise Brubaker: „Ich bin sehr sozial. Und jetzt werde ich mir den Service holen.“
[Mr. T tritt die Tür des Bürgermeisters ein.]
Fatality:
TV-Film aus den 80ern, der auf der Mr.T-Welle mitreiten wollte. Zurecht. Dieser Herr hat seine multimediale Präsenz vollkomen verdient. Und so ist auch dieser Film nicht viel mehr als eine reine T-Show. T-errific.
Krypton McKracken














































