Nudist Colony of the Dead

(Nudist Colony of the Dead), USA, 1991, ca. 84 Min.
Veröffentlicht: 4. September 2010


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„Remember, the children can’t praise the Lord if they’ve got genitals in their mouths.“

Folgender Film wurde von der VideoRaiders-Crew mit dem Hirn-Schmelzer-Award ausgezeichnet. Der Hirn-Schmelzer-Award ist für die Streifen vorbehalten, die jedes Gehirn zum Schmelzen bringen werden. Hier geht es nicht einfach nur um Vegetarier-Trolle, die durchs Unterholz hüpfen, oder kybernetische Kampfkolosse, die ihre Kraft in einer dystopischen Zukunft untereinander testen – nein – hier geht es um den richtig harten Stoff. Endstation: Wahnsinn. Totaler Mayhem. Das ist keine Unterhaltung mehr – das ist purer Wahnsinn. Genießbar nur nach mehrjährigen Trashkonsum.

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Doller als die Hisbollah: erzkonservative Christen wollen den Nudisten das Recht auf die Freikörper-Kultur verbieten! Das schreit nach Rache…blutiger, NACKTER Rache!

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In der Sunny Buttocks Nudist Colony herrscht Aufruhr: ein Verein evagelikanischer Christen möchte den Nudisten ihr Recht absprechen, ihre Genitalien öffentlich durch die Luft baumeln zu lassen. Da die Erzengel des Anstands die FKK’ler aber nicht einfach so vertreiben können, ziehen sie vor Gericht. Mit Erfolg. Die Kirche erhält das Pachtrecht für das Land, auf dem sich der Nudisten-Club befindet – die Nackedeis müssen fortziehen, während die Evangeliken ihren alten Zufluchtsort in ein seeliges Sommer-Camp verwandeln. Doch die Nudisten denken gar nicht daran, kampflos aufzugeben. Ihre Anführerin hetzt sie auf und schwört blutige Rache. Alle Nudisten sollen Suizid begehen – um später als lebende Tote zurückzukehren.

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Der Sinn dessen entbehrt wohl jeglichen gesunden Menschenverstand, aber hey, als Storyaufhänger ist dies ’ne Bombe. Von daher denken wir erst gar nicht lange drüber nach und machen gleich weiter. Nachdem sich das bibeltreue Camp etabliert hat und glückseelige junge Menschen sich des Lebens erfreuen, geschieht es tatsächlich: die toten Nudisten kriechen aus ihren Gräbern (die sich praktischerweise  gleich um die Ecke befinden) und nehmen grausige Rache an der dort versammelten Christenheit…

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Und dabei sind die Untoten nicht gerade zimperlich. Ganze Zeltlager werden massakriert, Köppe abgerissen, jungen Frauen Zement in den Mund gekippt. Freiheit für die hüllenlosen Körper, Untergang den bekleideten Geiste!

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Wer kann die Horden der untoten Nudisten noch aufhalten? Wollen sie doch an den Grenzen des Camps nicht halt machen und die Anzugträger des gesamten Erdballs – von Alaska bis Australien – in den Tod reißen. Ironischerweise ist die einzige Bastion der Menschheit ein rappender Dorf-Sheriff, der wohl als der liberalste Kopf unter den Lebenden gelten kann – wobei ihm des selber nicht klar ist…

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Wer glaubt, dass alleine die Storyline für Schreikämpfe beim Feuilleton sorgt, der sollte annehmen, dass beim Bürgertum die visuelle und auditive Umsetzung für den Beginn der Apokalypse sorgen wird. Ein Latexmassaker sondergleichen erwaret den Zuschauer, dass zumindest mit seinen kruden Special Effects beim Trash-Freund wohlige Unterhaltung abliefert. Normalerweise ist es die hohe Kunst eines Spezialeffekts, dass man diesen – im besten Fall – nicht identifizieren kann. Hier schon. Jeden einzelnen. Und die Macher wissen das auch und bauen es auf fulminante Weise selbstironisch in den Film mit ein.

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Gleiches gilt auch für die Schauspieler – kaum jemand hier ist für diese Kunst der Darstellung geschaffen, macht auch nichts. Dann wird halt eine überzogende Portion Over-Acting mit eingebaut und alle Charaktere als Klischee-Typen angelegt. Natürlich gilt dies nicht für jedes einzelne Cast-Mitglied – immerhin darf Horror-Legende Forrest J. Ackermann den Richter mimen, der die Nudisten aus ihren Paradies vertreibt – aber bei einem Budget von 35.000 Dollar dürfte es klar sein, dass „Nudist Colony of the Dead“ auf irgendeine Art und Weise mit seriösen Big-Budget-Produktionen mithalten kann. Und das soll der Film auch gar nicht, denn wenn er dies auch gewollt hätte, dann wäre nicht eine solche Bombe dabei herausgekommen. Und diese Bombe fetzt alles weg.

Der Hauptgrund dafür ist weder das Over-Acting, noch die abgefahrenen Homemade-Effekte – der wahre Grund wurde noch gar nicht erwähnt. Festhalten, bitte. Der Film ist ein Musical. Richtig gelesen, ein Musical. Das sind die Filme (oder Stücke) in denen jedwede Handlung besungen wird. Hier wird dies mit brachialem Humor begangen, bei dem selbst Matt Stone ehrfürchtig auf die Knie gehen würde – denn das was beispielsweise in seinem Erstlingswerk „Cannibal – The Musical!“ bei aller Genialität noch etwas gezwungen wirkt, wird hier locker vom Leder gezogen. Rappende Sheriffs („They be nudist of the past, and now they are back to kick some ass!“), fröhlich-dahinträllernde Jung-Christen („They would like us to stop sex, drugs and booze – with all their nagging you think they were Jews!“), sabbernde Untoten-Gesänge („No place to run, no place to hide. If you trust in God, only hope is on your side. Kill, kill, kill all the zealots!“) – alles was eine Stimme hat, darf sie auch zum Gesang erheben – und hierbei muss festgehalten werden: die Texte sind zwar oft simpel, aber gerade deswegen unglaublich unterhaltsam. So sehr, dass der Streifen es sogar zu einem Off-Broadway-Musical schaffte – zwar nur von kurzer Dauer, aber immerhin hinterließ dies einen bleibenden Eindruck. Das amerikanische Musik-Establishment scheint wohl vom deutschen Feuilleton nicht so weit entfernt zu sein. Was auch irgendwie eine beruhigende Konstante ist.

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„There is a place where evil dwells!
Among the naked guys and gals!
And a thing that should be said,
all the residents are dead!“

Fatality:
Eine kleine Perle, die es nie in die Bundesrepublik Deutschland schaffte. Verständlich. Dieser Film hat aufgrund des gezeigten Wahnsinns, das Zeug dazu Massenpaniken auszulösen. Somit genau richtig für unser Sammelsorium an abseitigen Spielfilmen.


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Der Autor...
Krypton McKracken