Christine

(Christine), USA, 1983, ca. 110 Min.
Veröffentlicht: 1. September 2010




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„Der war so abgebrüht, dem hättest du kochendes Wasser in die Kehle schütten können und er hätte Eiswürfel gepinkelt.“

„I wanna be yours pretty baby, yours and yours alone! I’m here to tell ya honey, that I’m bad to the bone! B-B-B-B-Bad, B-B-B-B-Bad, B-B-B-B-Bad, Bad to the bone!“

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Arnie hat’s nicht leicht. Seine Eltern sind Tyrannen, die zwar nur das Beste für ihn wollen, ihn aber damit jeglichen Stolz und jeglicher Selbstständigkeit berauben. Sein Lebensweg als steifer Akademiker ist von seinen Erzeugern bereits vorgegeben – obwohl er dies alles nicht willl und ablehnt. Eigentlich möchte er nicht viel, vielleicht nur etwas so sein wie sein bester Freund Dennis. Beau und Quarterback – beliebt bei den Mädels, befreundet mit den Jungs. Jeder kennt ihn, jeder mag ihn. Er hat all das, was Arnie nicht hat. Insbesondere Selbstbewußtsein.

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Doch Arnies tristes Dasein soll bald ein jähes Ende finden. Als er einen alten 58er Plymouth auf einem Schrottplatz findet, verliebt er sich sofort in das Auto. Der Karren ist quasi Schrott, zu nichts mehr zu gebrauchen. Doch Arnie sieht in ihm mehr. Er ist sicher, dass er das Auto alleine restaurieren kann. Der alte Besitzer ist froh die Schrottkarre endlich los zu sein, weckt sie in ihm doch böse Erinnerungen. Sein Bruder verstarb darin – er ist sich sicher, dass das Auto etwas damit zu tun hat. Doch Arnie ignoriert die Warnungen, in einer alten Werkstatt macht er sich auf, den Wagen von Grund auf zu restaurieren…

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Seine Eltern sind über den Kauf schockiert. Glauben sie, dass er dafür nicht nur sein College-Geld sondern auch seine Schulzeit auf Spiel setzen wird. Sie verlangen von ihm, den Wagen wieder zu verkaufen oder gar verschrotten zu lassen. Doch Arnie denkt gar nicht daran. Endlich besitzt er etwas für sich alleine. Etwas das nicht über ihn urteilt. Etwas das er sich ganz alleine aufgebaut hat. Etwas das ihn mit Stolz erfüllt. Etwas das ihn… besitzen will.

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Während Arnie immer weiter ihn seine Welt abdriftet, geschehen unheimliche Morde – all diejenigen, die ihn einst hänselten und auslachten, sterben. Und auch all diejenigen, die sich zwischen ihn und sein Auto stellen, müssen um ihr Leben fürchten. Denn Christine, so der Name den Arnie dem Auto gab, hat ein grausames Eigenleben entwickelt…

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Anfang der 80er in Hollywood: findige Film-Produzenten belästigen den jungen Autoren Stephen King mit Anfragen. Jeder will eines seiner Romane verfilmen, jeder will die Rechte daran besitzen, jeder will sich zumindest eine Option sichern. Denn Kings Romane sprengten nicht nur die Schallmauern der Bestseller-Liste – in der er zeitweise auch mit sechs Romanen gleichzeitig in der Top-Ten vertreten war – auch die dazugehörigen Verfilmungen entwickelten sich zu populären Horrorklassikern, die die Kasse klingeln ließen. Der Name Stephen King wurde zu einem Gütesiegel – dies war wohlgemerkt vor den inflationären Massenverfilmungen seiner Werke Ende der 80er. Brian De Palma verfilmte „Carrie“, Stanley Kubrick nahm sich „Shining“ vor, Tobe Hooper setzte „Brennen muss Salem“ in Szene – alles Werke die nicht nur beim Publikum, sondern ebenfalls bei den Kritikern Begeisterung hervorriefen. So verwundert es auch nicht, dass der Roman „Christine“ bereits von Columbia Pictures eingekauft wurde, bevor King ihn überhaupt beendet hatte. Sein Name war dermaßen populär, dass die Studios sich die Verfilmungsrechte schon lange vor dem eigentlichen Roman-Release sicherten. Auf Basis unfertiger Skripte entstanden die Drehbücher – unter Aufsicht von King. Für die Verfilmung von „Christine“ fand sich John Carpenter bereit – und auch dies ist nicht verwunderlich. Nach seinem (kommerziellen) Flop „Das Ding aus einer anderen Welt“, musste er einen Erfolg verbuchen. Die Story über Kings bösartigen 58er Plymouth kam hierbei wie gerufen. Carpenter verliebte sich in die Geschichte und war hellauf begeistert. Auch wenn „Christine“ von vielen Carpenter-Fans weitestgehend ignoriert wird und Filme wie „The Fog“, „Die Klapperschlange“, „Halloween“, „Dark Star“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“ immer zuerst zu seinen besten filmischen Schaffen gezählt werden, so ist es ironischerweise „Christine“ mit dem er strenggenommen seinen massentauglichsten und seine professionellste Arbeit ablegt hat. Und meiner Meinung nach, sogar einen der besten Horrorfilme der 80er Jahre.

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Ob Cast oder Crew – niemand scheint hier fehl am Platz zu sein. Es ist fast schon so, als ob der Film und seine Charaktere für die Schauspieler regelrecht geschaffen wurden. Insbesondere Keith Gordon als zuerst gehänselter dann fast schon besessener Arnie, liefert in jungen Jahren die beste Arbeit seiner Karriere ab. Der Transformationsprozeß seines Charakters ist absolut brilliant und überzeugend dargestellt. Vom einst schüchternen und verängstigten Einser-Schüler mutiert er langsam zum arroganten, fast schon größenwahnsinnigen Menschenfeind. Interessant hierbei ist, dass Christines Transformationsprozeß – von einer alten Schrottlaube zum aufpolierten Oldtimer dazu absolut linear verläuft. Christine und Arnie bilden eine Einheit. Carpenter fängt dieses in atmosphärisch dichten und düsteren Bildern ein, die von einem brillianten Synthesizer-Score getragen werden. Meines Erachtens eine seiner besten Arbeiten. Als Beispiel für dieses perfekte Zusammenspiel von Bild und Ton kann die berühmte „Show me“-Szene herhalten, in der Christine sich nach der Aufforderung von Arnie wieder selber zusammenflickt.

Dies ist der Höhepunkt der Transformations-Geschichte – nach dieser Szene sind Arnie und Christine eins. Nicht nur das Carpenter dies sowohl visuell und auditiv spektakulär in Szene setzt, sein anfänglich gewählter Synthie-Beat formiert sich bei der Selbstinstandsetzung des Wagens zu einem erotisch-angehauchten Saxophon-Spiel. Fasst als würden Arnie und Christine miteinander schlafen – oder etwas poetischer ausgedrückt – sich eben innig vereinen. Es sind genau diese Szenen, die den Film in die gehobene Klasse der Horrorstreifen befördert. Aus dem Stoff hätte man auch einen simplen, übernatürlichen Car-Slasher machen können. Carpenter nimmt seine Figuren allerdings zu jeder Zeit ernst – und dazu gehört auch Christine, die er eine fast schon spielerisch-dämonische Persönlichkeit verpasst. Beim Tod des Charakters Moochie wird dies besonders deutlich, wenn Christine anfänglich nur mit ihrem Opfer spielt, langsam als bedrohlicher Schatten hinter der Straßenecke auftaucht – um dann urplötzlich mit dem Aufblitzen der Scheinwerfer eine regelrechte Hetzjagd zu beginnen. Dies ist absolut perfektes Horror-Kino.

Mit „Christine“ schuf John Carpenter einen Horrorklassiker, der – wie soviele Carpenter-Filme – sein wahres Potential erst nach Jahren entfaltet. Denn es sind junge Nachwuchsfilmer, die seine Werke zitieren, teils sogar nachahmen, da sie mit eben diesen aufwuchsen und von ihnen beeinflußt wurden. „Christine“ scheint mittlerweile dermaßen populär zu sein, dass bereits ein Remake für 2011 in der Mache ist. Unter der Regie von David Slade wird Christine ihren Terror dann in der dritten Dimension verbreiten…

Fatality:
Lange Zeit als seichter Hollywood-Horror verkannt, offenbart „Christine“ nach 30 Jahren ihre Qualitäten: Horror dieser selbstsicheren, atmosphärisch dichten und düsteren Art und Weise, ist man im Zeitalter der schnellen Schnitte und inflationären Scare-Attacks nicht mehr gewöhnt und vergisst hierbei sehr schnell wie elegant und furchterregend zugleich man Grusel inszenieren kann.


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Der Autor...
Krypton McKracken