Tödliche Flucht

(The lawless Land), USA, 1988, ca. 77 Min.
Veröffentlicht: 12. August 2010


Offizielle Wertung:


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1 Stimme(n), Ø 2,00 Köppe
„Gibt’s was zu essen?“
- „Ja, Schlangengulasch.“
„Geben sie mir ’nen Teller voll - und ’ne Tasse Kaffee.“

Finstere Marketing-Strategen aus den dunklen Kellern von MGM Deutschland suggerieren mit ihrem knallroten VHS-Cover (auf der mittig eine spannende Fimszene mittels Zeichnung dargestellt wurde), dass es sich hier um durchschnittliche B-Action handeln würde. Irgendwo in Utah wird eine verwitwete Farmersfrau von einem gierigen Immobilienhai tyrannisiert – doch dann kommt der Heros, Einzelgänger mit Chopper und Lederkutte (Marke: Lorenzo Lamas) und kloppt alle um. Aber nix da! Denn was auch universell als Umhang für Action-Monster der 80er dienen kann, entpuppt sich schnell zu einem echten dystopischen C-Knaller. Und C steht bekanntlich für Corman! Da die staubige Abbildung einer Wüstenlandschaft in der Welt des Roger Cormans nur eine Bedeutung haben kann – nämlich Doomsday – können wir uns glücklicherweise die B-Action sparen und werden als Zuschauer in weniger als 120 Sekunden (also, nach dem überschaubaren Vorspann) in die bedrückende Endzeit-Welt der 80er gepresst. Tja, hätten wir unserem Instinkt vertraut, wären wir an diesem Apokalypse-Smasher einfach vorbeigetrudelt (da uns das Cover eine andere B-Welt suggeriert) – was wohl auch die Mehrheit des potentiellen Publikums tat, denn selbst Big Mamma OFDB hat nur ein mickriges User-Review anzubieten – doch glücklicherweise stolperten wir über die Tagline („Land der Gesetzlosen im Jahr 2001: sie hassen, sie kämpfen und sie sterben anders“) und so fand diese kleine Perle Einzug in unser Sammelsorium der obskuren Filmrpdouktionen. Man gut das wir uns die Rückseite zusätzlich durchgelesen haben (Was man nicht tut – wir wissen ja schließlich alle: Filme sucht man sich nach dem Cover aus!)…

„Amerika nach dem dritten Weltkrieg. Die USA sind zerstört, doch Süd-Amerika wird von dem korrupten Chairman beherrscht.“

…sonst wahrscheinlich auch noch auf die Warterampe gelegt und verpasst. Was? Na, die…

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Jepp, hier haben die Marketing-Strategen gepennt. Mit einem reißerischen Titel (z.B. „Desert of Doom 3000“ – oder so…) und irgendeiner Cyborg-Oma auf dem Cover, wäre der Film heutzutage wohl unzähligen C-Fans bekannt, jetzt muss er in Deutschland ein elendiges Dasein fristen. Einmal auf VHS aufgelegt, dann nie wieder gesehen. Wer das Tape noch rumliegen hat, soll es beschützen. Denn falls MGM wirklich in den finanziellen Abgrund donnert, werden die Shareholder-Huren zur Neuorientierung des Unternehmens den Streifen mit Sicherheit absichtlich übersehen…

Der zitierte Hüllentext verriet es bereits: Amerika nach dem Doomsday. Alles hinüber – nur Brasilien steht noch (plus/minus ein paar süd- und mittelamerikanische Failed States). Doch dieses wird vom fiesen Chairman behrrscht. Der hat der niedersächsischen Feuerwehr nicht nur ihre Uniformen geklaut,…

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…sondern auch noch die brasilianischen Kumpels unter seiner Knute. Diese will er erbarmungslos zur Arbeit zwingen und den Kohleabbau um 30% steigern. Und das obwohl sein Chef-Berater ihn dringlichst davor warnt.

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„In der Hauptstadt häufen sich die Attentate! Die Bürger leben in Angst! Die Inflation gerät außer Kontrolle! Unser Geld ist bald völlig wertlos! Überall rebellieren die Arbeiter wegen menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen! Beinahe jeden Tag haben wir Tote in den Minen zu beklagen! Und die Gefängnisse sind überfüllt!“

Doch der Chairman will davon nichts wissen – nur Profit leitet ihn, kein Mitleid. Und so lenkt er von der katastrophalen Meldungen ab – man gut, dass seine Tochter im Nachthemd in die Versammlung platzt. So kann er von der Warnungen seines Beraterstabs ablenken. Eigentlich wollte Diana, so ihr Name, nur zu Bette gehen, doch der Papa velangt von ihr, dass sie ihre Klavierkünste zur allgemeinen Unterhaltung zur Schau stellt. Auf einem Casio-Synthesizer.

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Nachdem sie mal kurz den Samba-Modus angestellt hat, kann sie in ihre Koje abdampfen – und von Falco träumen. Nicht dem Ösi, sondern einem verlausten Bergarbeiter mit Lederjacke und Muskeln. Er mag zwar aus dem Pöbel stammen, doch besitzt ein aufrichtiges und gutes Herz. Das interessiert Vater recht wenig, weswegen er die Liebschaft am liebsten unterbinden würde, doch Diana und Falco können nicht voneinander lassen – und büchsen gemeinsam aus. In einer alten Kirche lassen sie sich trauen…

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Da Vadder aber überall seine Spitzel rumhängen hat, bleibt dies nicht lange geheim. Diana kann zwar entkommen, Falco aber darf in einem brasilianischen Gefängnis gefoltert werden. Ganz üble Sache. Elektroden an den Nippeln. Selbst der Gefängnis-Wärter (der Herr in den bunten Klamotten) weiß, dass dies die grausamste Folter ist, die sich ein Mensch nur ausdenken kann – da Falco aber schweigsam bleibt, wissen sie, dass sie aus ihm nichts heraus kriegen…

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„Das geht jetzt schon seit drei Tagen so. Ich kenn’ mich da aus. Wer nach zwei Tagen nicht redet, redet nie. Es hat keinen Sinn.“

Also muss Roadkill die Sache richten. Ein fieser Overlord aus der fünften Galaxie…äh…auf jeden Fall stammen die Klamotten aus dem Fundus irgendeiner corman’schen SciFi-Gurke. Zusammen mit seinem Kumpel Captain Fönwave, hat er bereits die Bergarbeiter aufgemischt. Nun soll er Diana finden…

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Und dazu sticht er Falcos Großvater die Augen aus! Häh? Egal – ist halt ein fieses Schwein. Jetzt wissen die beiden Liebenden wenigstens woran sie sind – nachdem Falco aus dem Hochsicherheits-*hust, hust*-Gefängnis ausgebrochen sind, indem er sich durch eine geschickte Gesichtsmimik tot stellt,…

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…rennt er zu seinem Großvater (der ohne Augen). Dieser weiß wo Diana sich aufhält. Falco muss nun handeln, mit einer gekauften Chopper düst er Diana hinterher, doch die Häscher des Chairmans sind ihm bereits auf den Fersen. Falco soll sterben, Diana nach Hause zurück. Und die Revolution warten…

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Wer nun aber glaubt, dass der Film bereits sein Happy-End gefunden hat, der irrt sich. Was aber zugegebenermaßen bei einem Corman-Trasher rein von der Lauflänge her auch nicht unüblich wäre. Während sich Falco und Diana in Coyote (so eine Art Mos Eisley – bloß ohne coole Aliens) von ihrer Zukunft träumen, donnert Roadkill mit seiner Horde (zwei behelmte MG-Träger und Captain Fönwelle) in das Dörfchen ein. Er will Diana – um jeden Preis. Doch unser Falco besinnt sich auf die mystische Kraft der Tierwelt, auf die Macht des Falkens (ah…okay…deswegen der Name Falco! Raffiniert, raffiniert….) – so wie sein Großvater ihn dazu riet (verwirrender Subplot Nr.357). Mit einer KISS-Gedächnisbemalung im Gesicht und einer Plastikknarre in der Hand, stellt er sich Roadkill und seinen Halunken…

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Was gibts zu sagen? Ach, ja – im Grunde nicht viel. Eine dieser vielen ratternden Corman-Motorsägen, die im Wahnsinnstempo Filmklischees fällen und denen wohl nie der Sprit ausgeht. Corman sagte einmal, dass er nie einen Film gedreht hat, der nicht profitabel gewesen sei. Das glaub ich gerne. Als ernstes Drama angesiedelt in Dystopia kann man dieses Werk also nicht annehmen, aber mit dem Anspruch sind wir spätestens nach der ersten Pixel-Einblendung eh nicht mehr rangegangen. Was uns sont geboten wird, unterhält – wenn man trashophil veranlagt ist. Da rekeln sich Frauen zu 80ies-Beat vor tosenden Bikern im Schlamm. Statisten werden von schwarzgekleideten Mannen verprügelt. In einem Kellerloch werden Heroen durch Starkstrom gefoltert. In Pyjamas ganze Länder regiert, über Telefon mit Wählscheibe Armeen befehligt. Nicht zu vergessen den Sidekick-Buddy des Films: der coole Andy. Nennt sich auch so, Cooler Andy. Richtig cool ist er dann doch nicht, trägt aber immerhin einen lustigen Cowboyhut, was ihn zu einer amüsanten Erscheinung macht. Oder degradiert. Hängt wohl vom Standpunkt ab.

Mit „Tödliche Flucht“ haben wir wahrhaftig nicht die Königsklasse der corman’schen Endzeit erreicht. Es ist eines der vielen Nebenprodukte, die aus dem Fundus hauseigener größerer Produktionen zusammengeschraubt wurden. Daran ist nichts verwerfliches – bieten diese Filme doch meistens den größten Spaß, aber „Tödliche Flucht“ kommt leider nicht immer in Fahrt und verliert sich zuweilen in zeitraubenden Nebenhandlungen (und das bei einer Lauflänge von 77 Minuten). Für Corman-Fans dennoch ein interessanter Ausflug in süd-amerikanische Endzeit-Gefilde (auch wenn der Film wohl irgendwo in der Wüste New Mexicos gedreht wurde…), alle anderen könnten grummeln. Aber tun sie eh immer, wenn nicht nach 2 Minuten japanische Latex-Monster Jungfrauen gegen Wände schleudern. Von daher: keep it real trash. Und das gilt besonders für diesen Film.

Fatality:
Angenehm unauffällig.


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Der Autor...
Krypton McKracken